Domchor Zll Magdeburg. 469 hergebrachten Details sind in grösster Vollendung und mit Liebe ausgeführt, namentlich die Kapitäle am Umgange des Chores von ausgezeiclmeter Schönheit. Daneben aber bemerken wir Spuren ungewöhnlicher Studien, der Eier- stab und die Akanthusblätter, welche an Kapitälen und Gesimsen vorkommen, verrathen eine nähere Kenntniss antiker Formen; auch ist der Spitzbogen schon durchgän- gig selbst an den Fenstern angewendet. Völlig abwei- chend aber von allen deutschen Traditionen ist die Anlage des mit einem Umgange und Kapellenkranze versehenen Chores. Selbst der blosse Umgang War bisher in Deutsch- land nur ausnahmsweise und meist unter Umständen vor- gekommen, welche eine besondere Veranlassung vermuthen lassen; so schon sehr frühe an der Kapitolskirche zu Köln, später an der Cistereienserkirche zu Heisterbach und am Dome zu Basel. Für die Anlage eines Umganges mit Kapellen war bisher die St. Godehardskirche zu Hildesheim das einzige, unbefolgt gebliebene Beispiel, und auch hier sind nur drei vereinzelte Kapellen angebracht Der Magdeburger Dom hat dagegen den geschlossenen Kranz von fünf radianteil Kapellen, und zwar in sehr ähnlicher Weise wie an den gleichzeitigen französischen Kathedralen; der innere Chorschluss den Kapellen entsprechend fünf- seitig, die Kapellen dreiseitig, über dem Umgange eine Gallerie und an dieser ausgebildete, von einem Satteldach bekrönte Strebepfeiler. Die Anlage hat namentlich eine grosse Verwandtschaft mit dem Chore der Kathedrale von Soissons, der in Frankreich zuerst vbn der bisher üblichen halbkreisförmigen Anordnmig des oberen Chores und der Kapellen abwich, und bei welchem dieselben Polygone wie am Magdeburger Dome, nämlich das Zehneck und Achteck, zum Grunde gelegt sind. Da der Chor dieser Kathedrale 1') Vgl. den Grundriss Bd. IV, Abth. 2, S. 80.