Verfassung des Ordens. 413 feste Hierarchie; sie hatte nur einen Abt, den des Mutter- klosters, alle anderen Stiftungen bildeten nur Priorate, die von Cluny aus besetzt und geleitet wurden. Allein diese Coneentration hatte ebenso wie jene Isolirung zum Verfall der Disciplin geführt. Cluny, der Sitz einer ausgedehnten Herrschaft, hatte den Versuchungen des Reichthums und der Macht nicht widerstehen können und den unterworfenen Klöstern das Beispiel laxer Sitten gegeben. Die Cister- cienser schlugen daher einen mittleren Weg ein und suchten ihrer Verfassung durch die Mischung monarchischer und demokratischer Elemente eine grössere Haltbarkeit zu geben. Citeaux war der Sitz der obersten Leitung; unter dem Vorsitze seines Abtes wurden die Generalkapitel des Or- dens abgehalten, auf welchem die Mehrzahl der versam- melten Aebte allgemeingültige Beschlüsse fasste. Aber jedes Kloster hatte seinen eigenen Abt und jedes Mutterkloster führte die Aufsicht über alle von ihm ausgegangenen Klö- ster, so dass jede der vier ältesten Töchter über zahlreiche Stiftungen gestellt War. In ihrer inneren Verwaltung und bei der Wahl des Abtes war den einzelnen Klöstern Selbst- ständigkeit gelassen, aber alljährlich unterlagen sie einer Visitation, durch zwei von dem Abte von Citeailx, aber aus Klöstern derselben Abstammung ernannte Aebte. Selbst Citeaux war von dieser Regel nicht ausgenommen, die Aebte jener vier ältesten Töchter übten das Recht der Vi- sitation aus. Die Aufgabe dieser Visitationen war nicht blass, die Beobachtung der positiven Vorschriften zu Wahren, son- dern auch eine Gleichheit des Sinnes und der Sitten zu erhalten. Die Verfassungsurkunde vom Jahre 1119 war, wie ihre Urheber sie nannten , eine Urkunde der Liebe, Charta caritatis , und die Brüderlichkeit forderte Ueberein- Stimmung. Der erste Artikel setzte daher fest, dass alle