Die Kathedralen V01] Lincoln Worcester. 253 sogar zwei solche Fenstergruppen übereinander, wodurch es denn sehr leicht und luftig erscheint. Beide Bauten sind mit schmalen Kreuzgewölben bedeckt, deren Rippen aber von dem überaus schwachen Dienste, der von den Kapi- tälen der vorderen Säulen aufsteigt, nur scheinbar getragen werden. Die Strebepfeiler sind äusserst schwach und Strebebögen nicht angebracht. Wir sehen also die deco- rativen Formen des gothischen Styls schon ziemlich ent- wickelt, das constructive System dagegen, aus Unempfäng- lichkeit für die Bedeutung desselben oder im Vertrauen auf die Vortrefilichkeit des Materials, vernachlässigt. Diese Bauten enthalten in der That schon die wesent- lichen Züge des neuen englischen Styls. Er hat sich in unglaublich kurzer Zeit entwickelt. Nachdem noch die obenerwähnten Gebäude aus den letzten Jahren des zwölf- ten Jahrhunderts im VVesentlichen normannische, nur in einem anderen Sinne behandelte Formen erhalten hatten, hat man sie jetzt aufgegeben und mit anderen vertauscht. Der nationale Geschmack hatte sich sehr rasch orientirt, aus dem von Frankreich her ihm zugeführten und sonst bekannt gewordenen gothischen Systeme einige Elemente sich angeeignet, andere zurückgewiesen, und daraus den ihm zusagenden Styl gebildet, der nun auch sofort mit der dem brittischen Stamme eigenen Entschlossenheit als etwas Festgestelltes angenommen und bleibend angewendet vmrde. Fast gleichzeitig mit den Bauten von Worcester und Lincoln erstand das bedeutendste Gebäude dieses Styls, die Kathedrale von Salisbury. Sie wurde durch den Bischof Richard Poore im J. 1220, gleichzeitig also mit der Kathedrale von Amiens, auf neugewähltem Platze be- gonnen und so eifrig gefördert, dass schon nach fünf Jahren darin Gottesdienst gehalten werden konnte. Etwa dreissig Jahre später, um 1'258, war der östliche Theil des Ge-