240 England. aber freilich nicht von einem einheimischen, sondern von einem französischen Meister. Die Geschichte dieses Baues ist uns durch die glückliche Erhaltung des Berichts, wel- chen Gervasius, ein Mönch des mit dem Dome verbun- denen Klosters, niederschrieb , vollständiger bekannt als irgend ein anderer architektonischer Hergang dieser Zeit. Der Chor der Kathedrale, welcher unter der bischöflichen Regierung des berühmten Ansehn dem durch Lanfrancus errichteten Schiffe der Kirche angebaut und im Jahre 1130 geweihet war, wurde im Jahre 1174 ein Raub der Flam- men. Unser Berichterstatter Gervasius 3') beginnt damit, den Schrecken seiner Brüder zu schildern, als sie die Stätte ihrer täglichen Andacht einem unabweudlichen Untergange Preis gegeben sahen. Sofort dachte man auf Abhülfe des Schadens und zog deshalb Werkverständige, und ztvar, wie ausdrücklich bemerkt wird, Franzosen und Engländer herbei, die aber unter sich nicht einig werden konnten. Einige gaben den Mönchen die angenehme Versicherung, dass die Ueberreste der Pfeiler und Mauern für den Neu- bau brauchbar sein würden, Andere erklärten dies für ge- fährlich. Endlich fassten die Geistlichen den vernünftigen Entschluss, einen Obermeister zu wählen und sich ihm anzuvertrauen, und nahmen dazu einen gewissen Wilhelm aus Sens, der nicht nur als ein geschickter Künstler in Stein und Holz berühmt war, sondern auch durch seinen sonstigen guten Ruf und durch seinen lebhaften Geist Vertrauen einflösste. Er geht sorgsam zu WVerke, beginnt abzubrechen, zu iuitersuchen, überzeugt die Mönche all- mälig, dass es nicht rathsam sei, durch eine Beibehaltung 3') Gervasii Tractatus de combustione ae reparatione Gantuaviensis ecclesiae, in: Twisden, Hist. Angl. Scr. p. 1289. In dem bereits er- wähnten trefflichen Werke des Professors Willis in Cambridge: The architectural history of Canterbury Cathedral, London 1845, findet sich eine englische Uebersetzung des Berichts.