188 Aquitanien Kirchen in den Diöcesen von Bordeaux, Saintes und An- gers unbedingt verneinen Die Bewohner dieser Pro- vinzen, romanisirt wie die der südlichen Gegenden, und daher in Sprache und Poesie sich an diese anschliessend, hatten dagegen die Reinheit des keltischen Stammes in viel höherem Grade erhalten, imd widerstrebten daher mit der diesem Stamme eigenen Zähigkeit dem germanischen Ele- mente. Wir sahcn oben, dass dieses unter der Herrschaft der Karolinger fast keinen Einfluss auf sie geübt hatte, dass sie namentlich die Traditionen römischer Architektur noch im zehnten und elften Jahrhundert bewahrten. Die gei- stige Bewegung des elften Jahrhunderts hatte diesen sta- tionären Zustand zwar gebrochen; neue Formen waren in Aufnahme gekommen, der Spitzbogen, den wir in deco- rativem Sinne angewendet schon um 1100 in Moissac fanden, das Kuppelsystem, welches iion St. Front in Pe- rigueux ausging, endlich die phantastische Ornamentation der Faoaden, von der wir Beispiele gesehen haben. Aber diese Neuerungen schlossen sich dem bisherigen Systeme an, vermischten sich mit den romanischen Traditionen, er- zeugten nicht das Bedürfniss nach weiteren Fortschritten und wurden mit derselben Beharrlichkeit festgehalten, wie früher die unmittelbare römische Ueberlieferung. Noch die Facade von Notre-Dame la grande in Poitiers, die ich des Zusammenhanges wegen in der vorigen Epoche er- wähnt habe, gehört gewiss erst der zweiten Hälfte des zwölften Jahrhunderts an, und eine Reihe kleinerer Kirchen zeigt, dass man noch im dreizehnten Jahrhundert an vielen Stellen ausschliesslich romanische Formen, nur in milderer und mehr harmonischer Weise, anwendete M). e) Bull. monum. VIII, 309, 311; x, 56a; vn, 522. w) Beispiele solcher spätromanisehen Kirchen sind die von Char- lieu (Loire), von St. Pierre in Chauvigny (Poitou) und endlich von Bätaud und Riaux im Sointonge. Bull. monum. VII, 582; IX, 517;