Anwendung des gothischen Styls. 179 vom ersten Eindringen des gothischeil Styls bis an die Zeit der Renaissance mischen sich noch romanische Form- gedanken ein. Und noch mehr gilt dies von den südlicheren Gebäuden dieser Region. Selbst wo die Details völlig gothisch sind, macht das Ganze, schon durch die breitere Anlage des Schiffes und durch das flache Dach, einen von den nordischen Gebäuden abweichenden Eindruck. WVir vermissen die Abstufung der verschiedenen Theile, den Wechsel des Festen und Lichten, und finden statt dessen einfache, hohe Mauern mit wenigen und kleinen Fenstern, welche, zumal da sie oft statt der Fialen Lmd Balustraden mit Zinnen bekrönt sind, ein fast festungsartiges Ansehen haben. Ueberhaupt gelang die Ausführung des gothischen Styls hier besser in kriegerischen Befestigungsbauteil, als an Kirchen, Was bei den Modilicationen und Beschrän- kungen der freien Entwickelung des Styls, die dieser Zweck mit sich bringt, wohl erklärbar ist f). Etwas früher und reiner tritt der gothische Styl im Languedoc auf, wo die nordischen Sieger ihn ebenso einführten, wie sie den Städten die Statutargesetzgebung von Paris, die s. g. Coutumes aufnöthigten. Schon die Abteikirche St. Paul in Narbonne, zu welcher 1229 der Gnmdstein gelegt wurde, ist gothischer Anordnung; aber ungeachtet ihrer ziemlich schlanken Pfeiler und ihrer regel- mässigen Kreuzgewölbe macht sie n1it ihren sparsamen und in weiten Abständen angebrachten Fenstern und ihren schweren, mit Figuren geschmückten Kapitälen noch den Eindruck eines romanischen Gebäudes. Erst nach der Mitte des Jahrhunderts entstand in diesen Gegenden eine Gruppe von Kirchen, an denen die höchste Eleganz des f) Das Schloss von Beaucaire, die Mauern von Aigues Mortes, die Thürme von Villeneuve und Montmajour werden gerühmt. Merimee a. a. O.