176 Provence und Languedoc. neben dem eigentlichen Chorraume, auf jeder Seite zwei, jedoch der Axe des Schiffs parallel gestellte Kapellen. In Thorouet und in Senauque ist die Chornische halbkreis- förmig, in Sylvacane ist auch diese, an allen sind die Nebenkapellen rechtwinkelig geschlossen. Die Schiffe sind mit spitzen 'l'onnengewölben gedeckt, die Seitenschiße zwar nicht mit einem halben Tonnengewölbe, aber doch mit einem unvollständigen, so dass der innere Bogen bald nach der Spitze sich an die Wand des ltlittelschiffes anlehnt. Das einheimische System ist daher befolgt, aber so modi- ficirt, dass Oberlichter (lalnit verbunden werden konnten. Die Gurtbögen der Gewölbe ruhen auf Consolen, die Pfeiler sind viereckigen Kerns, die Kapitäle schmucklos kelchförmig, die Arcaden des Schiffes sämmtlich in breiten Spitzbögen angelegt, die Fenster aber theils rundbogig gedeckt theils ganz kreisförmig. Obgleich das südliche Wölbungssystem hier die Anwendung des Kreuzgewölbes entbehrlich machte, finden wir in diesen Kirchen doch eine Reihe von Zügen, die auch an den Cistercienserkircheil anderer Gegenden vorkommen; die Vorliebe für Consolen und Kreisfenster, das einfache Kelchkapitäl, die eigenthümliche Choranlage, den Spitzbogen, den tllßllVVßlSßll Gebrauch der Strebepfeiler, und überhaupt den Charakter knapper Zweckmässigkeit, den diese Ordensbauten mit den frühesten Bauten des fran- zösisch gothischen Styls gemein haben. Walnscheinlich zeigten fast zwanzig andere Cistercienser- klöster, welche im Laufe des zwölften Jahrhtuiderts in der Provence und im Languedoc entstanden, ähnliche Formen. Allein während sie in anderen Gegenden, in England und in Deutschland, mehr oder weniger Einfluss auf die gesammte Bauthätigkeit des Landes ausübten, waren sie hier unbe- achtete Fremdlinge, welche auf den einheimischen Styl ohne Rückwirkung blieben.