Ausgedehnte Bauthätigkeit. 145 so dass beide Bauten wohl erst um 1230 1240, freilich aber in einem noch etwas alterthümlichen Styl entstanden sein werden Zu diesen Kathedralbauten kam dann eine noch grössere Zahl von Kloster- und Pfarrkirchen, welche nach urkund- lichen Nachrichten oder nach dem Zeugnisse der Formen in dieser Epoche entstanden sind, dann die unzähligen kleineren Denkmäler, welche der Frömmigkeit oder dem Reichthume der Stifter ihre Entstehung verdankten, Grab- monumente, Betsäulen am Wege und Aehnliches, beson- ders aber die Stiftungen von Altären und anderen Gegen- Ständen des Cultus in den Kirchen selbst, und endlich die kirchlichen Nebengebäude, Kreuzgänge, Kapitelhäuser, Be- fectorien und andere Säle, von denen wir, ungeachtet grade hier die Revolution und die veränderten kirchlichen Ver- hältnisse den Abbruch sehr viel häufiger herbeigeführt haben als bei den Kirchen selbst, noch sehr schöne Bei- spiele aus dieser Epoche besitzen W). Aber auch an weltlichen Bauten begnügte man sich nicht mehr mit den hergebrachten, einfachen und sclnver- fälligen Constrilctionen. Die Schlösser der Grosscn, so bescheiden auch noch die Ansprüche an Bequemlichkeit und Luxus waren und so sehr der Zweck kriegerischer Befestigung vorherrschte, nahmen elegantere und imposante 1'] St. Julien zeigt in allen "fheilen gleichen frühgothischen Styl und dieser Umstand unterstützt mehr als die im Bull. monum. Vol. III. p. 279 beigebrachten sehr dunklen Inschriften die Annahme, dass die ganze Kirche nach jenem Umfalle neu erbaut sei. Wahrscheinlich hatte auch die bis dahin unvollendet gebliebene Kathedrale ebenfalls durch jenen Sturm gelifterl- M) Ich nenne beispielsweise die Kreuzgäxxge der Kathedrale vjon Noyon und von St. Nicaise in Rheims, so wie die neuerlich herge- stellten unvergleichlich schönen Klostergebäude von St. Martin-des- Ghamps in Paris. 10