Nicaise Rheims. 141 beobachten, wie die Meister, auf den Schultern ihrer Vor- gänger stehend, nicht nach völlig neuen, abweichenden Ideen, sondern nach feinerer und edlerer Ausbildung des bereits Gegebenen trachteten. Die Gedanken, Welche die Faeade von N. D. von Paris schon im ersten Viertel des Jahrhunderts angedeutet hatte, lagen auch den Zeichnungen der späteren Meister zum Grunde; drei mächtig vertiefte, reich ausgestattete und möglichst nahe an einander gerückte Portale, die Verdeckung der Strebepfeiler an den unteren Theilen, ihr Hervortreten und Abnehmen an den oberen, die Aussehmückung der höheren Mauertläche durch Arcaden- reihen und endlich das Rosenfenster, (lies ist das Thema, dessen Ausführung allen diesen Meistern vorlag. Aber während in Paris das Ganze noch schwer und massen- haft, in viereckigen, kaum verminderten Abtheilungerl auf- steigt, werden in Amiens und in Rheims die Details leich- ter und freier, die Durchbrechungen der Mauermasse grösser und häufiger, die pyramidalen Abstufungen besser geregelt, und zahllose Details deuten in ihrer schnelleren Zuspitzung den allgemeinen Aufschwung des Thurmbaues, der hinter ihnen langsam und mächtig aufsteigt, im Voraus an. In N. D. von Paris treten die Portale zwar schon bis an die äusserste Linie der Strebepfeiler vor, aber sie bilden hier eine zusammenhängende Mauerfläche, welche durch eine Gallerie horizontal geschlossen ist. Schon in Amiens sind die drei Portale als selbstständige V orhallen behandelt, welche mit freien Spitzgiebeln in die Luft ragen und zwischen denen sofort in ihren WÜnkeln die Strebepfeiler aufsteigen, um bald auf durchbrochenen Tabernakeln die erste reiche Fiale zu bilden. Die Gallerie ist höher hinaufgerückt in den zurück- weichenden Theil der Thurmmauer verlegt, verdoppelt; die Rose, die dort allzunahe über dem Portale steht und fast darauf lastet, schwebt hier in luftiger Höhe. Aber erst