128 Französische Gofhik. thümlieh gebildeten Knospenkapitäle, alles dies trägt den primitiven und rüstigen Charakter der frühesten gothischerl Zeit. Besonders endlich deuten die Pfeiler auf eine solche Frühzeit, indem sie im Chore und in den dreisehiffigen Kreuz- armen aus einem schmalen viereckigen Mauerstücke und zwei auf den Schilfseiten angelegten, nur leise damit ver- bundenen Säulen bestehen. Es ist fast derselbe Gedanke, welchen der Meister der Kathedrale von Sens an den Zwischensäuleil anwandte, nur dass die Säulen , Weil sie hier nicht mit stärkeren Pfeilern wechseln und selbstständig das Gewölbe tragen, durch jenes verbindende Mauerstück verstärkt sind. Im Langhause, welches jünger erscheint, aber doch wohl noch um die Mitte des Jahrhunderts er- richtet sein mag, sind an Stelle dieser ungewöhnlichen Form stattliche kantonirte Rundsäulen getreten. Ohne Zweifel entstand dieses Suchen und Schwanken dadurch, dass man die Mängel der kantonirten Säule schon damals fühlte. An einigen Orten half man ihnen da- durch ab, dass man die Säule beibehielt, aber die Zahl der angelegten Halbsäulen auf acht oder mehr vermehrte. Man schritt also auf dem WVege fort, welchen die Meister von Rheims und Chartres angedeutet hatten, indem sie die blosse Säule durch die Anfügung von vier Halbsäulen verbesser- ten. Man erlangte dadurch eine noch grössere Brechung der cyliiulrischen Gestalt und eine vollständigere Verbin- dung des Pfeilers mit dem Kreuzgewölbe. Der erste Bau, bei welchem diese Form angewendet wurde, war vielleicht der schon früher in anderer Beziehung erwähnte Chorbau der Kathedrale von Mans, welcher im Jahre 1217 auf Befehl König Philipp Augustis begonnen wurde, und den leichten und kühnen und doch ernsten und grossartigen Styl dieser Zeit schon in so schöner Entwickelung zeigt, dass er unserem Berichterstatter neben dem finsteren roma-