126 Französische Gothik. zugehen, war indessen noch nicht völlig ausser Gebrauch. An den Stellen, WO der Rundpfeiler für die darauf ruhende Last nicht genügend erschien, oder wo es einer stärkeren Betonung der beiden Axen des Gebäudes bedurfte, unter den 'l'hürmen und an der Vierung des Kreuzes, wandte man ihn noch an, oft mit zahlreichen und unter den Dia- gonalrippen diagonal gestellten Säulen. Auch als durch- gehende Form für die Stützen des Langhauses wurde er noch einige Male, aber wohl nur da beibehalten, wo er bei einer schon am Anfange des Jahrhunderts gemachten Anlage begründet war. S0 an dem seit 1202 begonnenen Neubau der Kathedrale von Rouen, von der ich im fol- genden Kapitel ausführlicher sprechen werde, und an der Kathedrale von Troyes. Diese wurde im Jahre 1208 nach einem neuen Plane begonnen; 1223 war der Chor schon soweit vollendet, dass der Begründer, Bischof Her- vaeus, darin begraben werden konnte. Bald darauf, 1227, wurde er zwar durch einen Sturm so beschädigt, dass eine bedeutende Herstellung vorgenommen werden musste, wel- che jedoch, wie die Formen vermuthen lassen, sich an die. ältere Anlage anschloss und die Pfeiler derselben beibe- hielt Der Bau des Kreuzschiffes währte bis 1314 und das Schiff erhielt erst im Jahre 1429 die Einweihung. Es trägt wirklich in seinen oberen Theilen, namentlich im Maasswerk der 'l'riforien und Fenster, den Charakter dieser späteren Zeit, während die Pfeiler auch hier viereckigen 4'] Arnaud, Voyage archeologiqixe et pitt. dans le depart. de PAube, Troyes 1843, und Inkersley a. a. O. S. 78. Das Breve Gre- gofs IX. vom Jahr 1'229 bezeichnet das durch den Unfall von 1227 beschädigte Gebäude als nobile opus ac sumtuosum und beschreibt die Zerstörung als eine totale: ecclesia tenebroso tnrbine convoluta, concussis qnatuor angulis ab imis corruit fundamentis. Indessen war dies ohne Zweifel eine in solchen Indulgenzschreiben gewöhnliche, auf Erregung der Theilnahme berechnete Uebertreibung, so dass dieser Sturm der Erhaltung einzelner Theile nicht entgegensteht.