122 Französische Gothik. in beiden Kathedralen besteht das Triforium noch, wie in den Kirchen der vorhergehenden Generation, aus einer fort- laufenden Reihe gleicher und einfacher Spitzbögen. In Amiens dagegen sind die Oberlichter viertheilig und reicher geschmückt, ist das Triforium über jedem Scheidbogen aus zwei dreitheiligen Arcaden mit einem Dreipass im Bogen- felde gebildet. In gleicher Weise ist bei allen anderen Details der Fortschritt bemerkbar. In der Prolilirung kommt die Aus- höhlung und die birnförmige Zuspitzung schon vor, aber doch noch so , dass das Runde und Kräftige vorherrscht. Die Ornamentation ist schon frei und eigenthümlich, die plastische Ausführung mit grossem Geschick behandelt, das Laubwerk zeigt Naturnachahmung, aber die Reminis- cenz des korinthischen Kapitäls und der Gebrauch rauten- förmiger und diamantartiger Verzierungen und manches andere deutet noch auf den nahen Ursprung aus dem ro- manischen Style, oder sogar auf erneuerte Studien der Antike hin. Der Fuss der Säulen und Halbsäulen hat noch immer das Vorbild der attischen Basis nicht ganz verlassen, sie wird häufig, namentlich in Amiens, in einer der Weiteren Consequenz des gothischen Styles nicht zu- sagenden Weise mit Perlenreihen in der Hohlkehle ver- ziert; das Eckblatt wird noch gewöhnlich angewendet. In Betreff der Pfeilerbildung sind diese Meister einig, Weder die einfache Säule, Welche sich zu sehr von der Wölbung trennt, noch den früher üblichen gegliederten Pfeiler viereckigen Kerns anzuwenden, Sondern die Säule beizubehaltan, aber, wie es schon in Soissons versucht war, zu verstärken. Sie fanden es angemessen, diese Verstärkung nicht wie dort auf eine einzelne angelegte Säule zu beschränken, sondern durch vier, nach den Haupt- richtungen angefügte Stützen auszuführen. Dem Meister