Erfindung des Strebesystems. 65 gewinnen. Hiedurch ergab sich dann aber weiter, dass die Oberlichter erst oberhalb der Stelle angebracht werden konnten, wo sich das Pultdach der Gallerien anlegte, und dass also die Wölbung der Gallerie nicht die Punkte erreichte, Welche gegen den Seitenschub der Kreuzgewölbe gesichert werden mussten. Man bedurfte vielmehr zu diesem Zwecke einer anderen Hülfe, Welche man endlich durch die Anlage von Strebepfeilern und Strebebögen erlangte. So künstlich dies System erscheinen mag, ergab es sich doch aus der bisherigen Praxis und den vorgenommenen Aenderungen fast von selbst. Strebepfeiler waren aus römischen Bauten bekannt und als ein natürliches Mittel gefährdeter Mauern schon- sonst angewendet; die romanischen Lisenen, welche, namentlich in der Normandie, schon eine ziemliche Stärke erhalten hatten, gaben das Vorbild für ihre regelmässige Anlage. Auf die Erfindung der Strebebögen wurde man aber durch die halben Tonnengewölbe des südlichen Sy- stems sehr leicht geführt, da sie in der That schon wirk- liche, nur auf der ganzen Länge des Gebäudes durchge- führte Strebebögen waren, Welche man jetzt, da das Kreuz- gewölbe nur an seinen Ausgangspunkten eineriWiderlage bedurfte, und da man ohnehin über dem Dache der Gal- lerien nicht eine vollständige Ueberwölbung anbringen konnte, gleichsam brach und die entbehrlichen Theile fort-' liess. So naheliegend dies scheint, bedurfte die Erfindung aber doch immer eines glücklichen Gedankens, der sich bekanntlich nicht so leicht einstellt, und überdies lagen ztvischcn dem Gedanken und der vollkommenen Ausfüh- rung noch viele zu überwindende Schivierigkeiten; Es kam darauf an, die nöthige Stärke der Strebepfeiler und Strebebögen und die richtige Stelle zu finden, an welcher sie die YVand des Oberschilfes berühren mussten, um dem Seitendruck in wirksamer Weise zu begegnen. Wenn das V. Ü