56 Das nördliche Frankreich. den Fenstern, an die Normandie erinnert, schliesst sich die Choranlage dem grossartigeren südlichen Systeme, aber ebenfalls mit bedeutenden Verbesserungen, an. Sie hat nämlich nicht bloss, wie selbst der kolossale Bau von Cluny, fünf, sondern sieben radiante Kapellen, und nicht wie dort vereinzelt, sondern eng aneinandergerückt und nur durch Strebemauern getrennt, so dass sie einen wirklichen, geschlossenen Kranz bilden. Acht Rundsäulen umstellen und zwar nach der Mitte zu mit Wachsender Annäherung, den inneren Chorraum, um den sich, da zwischen ihnen und den Kapellenmauern eine zweite Säulenstellung ange- bracht ist, ein doppelter Umgang umherzieht In der Krypta linden wir im Wesentlichen rein romanische For- men, rundbogige Fenster und Arcaden, schwere Kapitale mit roher Nachahmung der korintliischen Form und mit historischen Darstellungen. Im oberen Chore ist diese an- tike Reminiscenz noch deutlicher und vielleicht durch nä- here Berücksichtigung alter Vorbilder aufgefrischt, aber die Kapitale sind leichter und, ungeachtet wechselnder X7erzie- rung, meist mit knospenartigem Blattwerk ausgestattet. Besonders merkwürdig ist aber, dass hier, Wahrscheinlich zum ersten Male in Frankreich, der Spitzbogen ganz durch- geführt ist, nicht bloss an den tragenden Bögen, sondern auch an den Fenstern. Die Meinung, dass Suger diesen Bogen als eine Verschönerung oder Verbesserung; aus dem Orient oder aus Sicilien, welche Gegenden er nach seinen ziemlich ausführlichen Lehensnachrichlen nie betreten zu haben scheint, entlehnt habe, verdient kaum mehr eine Widerlevunv. VVir haben wesehen dass er in Frankreich n z: 1-, 3 schon oft angewendet war; schon früher an den Tonnen- Der äussere Umgang ist jedoch zu den Kapellen gezogen und dient also eigentlich nur als innere Verbindung derselben. Die An- ordnung ist ähnlich, aber doch nicht ganz gleich, wie auf dem weiter unten mitzutheilenden Grundrisse von St. Remy in Rheims.