Einfache Lebensweise. 25 arten konnte, gewährte edeln Gemüthern eine beneidens- werthe, gewissermaassen künstlerische Unbefailgenheit, welche der gestaltenden Kraft ethischer Motive günstig war. Es bleibt mir noch eine Seite des Lebens zu berühren, die materielle, und da ist es merkwürdig, dass diese in allen geistigen Beziehungen so rüstig fortschreitende Epoche in Beziehung auf Tracht und Lebensweise im VVesentlichen die alte Sitte beibehielt. Zwar eifern auch jetzt noch die strengeren Moralisten und selbst polizeiliche Vorschriften gegen den Kleiderluxus, aber wir finden nicht, dass bedeutende Veränderungen eintraten. Die Rüstung war noch so schwer, dass man sie Verwundeten nicht so bald wieder anlegen konnte, dass sie, wie Joinville bei einem ihn selbst betreffenden V orfalle erzählt, nicht gestat- tete, das Schwert rasch zu ziehen. Es scheint sogar, dass die strenge, religiöse Sitte des Bitterthunls auf eine Ver- einfachung der 'I'rachten führte; wenigstens verschwinden auf den Monumenten die verzierten Ränder der Kleider und wir sehen durchweg schlichte in graden Falten herab- fallende Gewänder. Erst nach der Mitte des (lrcizehnten Jahrhunderts kommen wieder reichere Verzierungen vor; Joinville bemerkt, indem er die in seinen späteren Tagen aufkommende grössere Iüeiderpracht rühmt, dass er auf dem ganzen Kreuzzüge Ludwigs IX. keine Stickerei an Kleidern oder Sätteln gesehen habe. Erst jetzt erfand man auch technische Mittel, die Kettenharnische leichter und bequemer zu machen, und es wurde nun allgemeine Sitte, ein leichtes Oberkleid, an dem man auch wohl schon das VVappenzeichen anbrachte, über der Rüstung zu tragen. Auch die Frauentracht war noch sehr einfach und natür- lich, das Obergewand noch ohne Taille, entweder frei herunter-fallend oder durch einen Gürtel zusammengehalten, der Hals frei, der Kopf von einem Schleiertuche umhüllt,