488 Miniaturmalerei. rakteristik und mit Liebhaberei ausgeführt. Element ist also überall vorwaltend. Das nationale Ueber die Entstehung dieses Styls habe ich mich schon geäussert. Er kam um die Mitte des elften Jahrhunderts, also nach den vorherrschenden Dänenkriegeil auf, und er- hielt sich bis um die Mitte des zwölften, also noch unter der Herrschaft der Normannen. Man sieht daran, dass Kriege, selbst der verheerendsten Art, wenn sie auch die technische Ausbildung hindern, das poetische Element der Völker eher anregen, als unterdrücken, und dass die nor- mannischen Sieger hier wie in der Baukunst die herge- brachte Weise der Besiegten annahmen, oder doch gewäh- ren liessen. Auf das Festland hatte dieser Styl natürlich keinen Einfluss, da man dort an vollkommenere oder doch künstlichere Formen gewöhnt war. Für die Geschichte bildet er aber eine sehr lehrreiche Erscheinung, indem er zeigt, wie weit der poetische Geist und die phantastische Richtung der damaligen Völker ohne die I-Iülfe, aber auch ohne die Hemmung künstlerischer Traditionen sich zu äussern vermochte. Derselbe Geist, der sich in den deutschen Mi- niaturen anfangs nur im Beiwerk der Initialen und Rand- verzierungen verräth und sich in den Darstellungen nur mühsam und allmälig Bahn bricht, hat sich hier unmittel- bar und ohne die Zucht künstlerischer Schule an die höch- sten Gegenstände gewagt. Allein wenn seine naive Poesie hier auch anregend und erfreulich ist, fühlen wir doch, dass ein Fortschritt auf diesem Wege mcht möglich war, und dass es erst einer tieferen Durchdringung des Stoffes und der Form bedurfte, um zu wirklich künstlerischen Lei- stungen zu gelangen. Die Kenntniss um so wichtiger, Epoche Mangel der Miniaturmalerei ist für diese weil sie uns einigerqnaassel] den