Rückkehr ZllI' Antike. 467 Dies Bestreben nach Grossartigkeit, offenbar eine Re- action sowohl- gegen den Naturalismus der karolingischen, als gegen die bedeutungslose Manier der irischen Kunst, musste sehr bald dahin führen, dass man sich, besonders in den deutschen Klosterschulen bei der Unterweisung zahl- reicher Kunstjiinger, nach einer festen Regel umsah, welche der steigenden Verwirrung der Anschauungen Gränzen setzte. Man konnte sie nur in einem engeren Anschliessen an die altchristliche Kunst finden, und musste also bedacht sein, die Zahl der Vorbilder zu vermehren. Altchristliche Werke grösserer Art fehlten aber hier, Italien war selbst im tiefsten Verfalle, es war daher nichts natürlicher, als dass man die einzigen Kunstwerke, deren man habhaft werden konnte, die byzantinischen nämlich, welche durch den Handel oder durch Geschenke hieher kamen, als Stu- dienmittel benutzte. Es entstand dadurch ein byzantinisirender Styl, der sich über den ganzen abendländischen Norden verbreitete, der aber von Deutschland ausging. Man hat ihn mit der Ver- mählung Otto's II. mit der griechischen Prinzessin Theo- phanu in Verbindung gebracht, und wenn man auch bei der Weiten Verbreitung dieses Styles nicht annehmen kann, dass dies Ereigniss oder der Einfluss einer einzelnen Für- stin ihn hervorgebracht habe, so ist es doch richtig, dass die ältesten YVerke dieses Styles in einer Beziehung zu dieser Kaiserin und ihrem Gemahle stehen. Das wichtigste derselben ist ein Evangeliarium, jetzt in der herzoglichen Bibliothek -zu Gotha i), einst im Besitze des Klosters Echternacth im Luxemburgischen, dem es, nach alter und Rathgeber, Beschreibung des herzoglichen Museums zu Gotha, 1835, S. 6-20. Der lateinische Name des Klosters (desselben, dessen ich bereits in architektonischer Beziehung gedacht habe) Epternacum oder Ephternacum ist in der Volkssprache in Echternach umgewandelt. Rathgeber nennt daher das Kloster Epterxiach. 30 i"