Baustyl der Normandie. 353 Inneren, an Bögen und Wandfelderil in reichem Maasse angebracht und mit Sorgfalt und Vorliebe behandelt sind, ist sehr bemerkenswerth. Er hängt damit zusammen, dass in der Form der Glieder, namentlich der Bögen, das Eckige und Flache, im Gegensatz des Rundstabes, vorherrseht; er ist darauf berechnet, Flächen zu zieren, und den Gedanken des Eckigen, nicht den des Runden, zu reprodueiren. Da- her sind auch diese Ornamente äusserst selten aus der ve- getabilischen Natur entlehnt, sondern meistens geometrischer Art, durch Combinationen gerader oder gebogener Linien hervorgebracht. Die Mannigfaltigkeit der aus diesen ein- fachen Elementen gebildeten Muster ist bewundernswerth. Die gewöhnlichste und sehr charakteristische Form ist der Zickzack oder gebrochene Stab, der, bald einfach, bald mehrfach, bald parallel, bald divergirenil, bald bloss in Li- nien, bald als Stab und Höhlung wechselnd, meistens ge- radlinig, zuweilen aber auch als Welle oder Nebel, mit Abrundung der scharfen Ecken, an Portalen fast Luiver- meidlich, und auch im Inneren häufig vorkommt. Nicht weniger Variationen bietet das sogenannte Billet, das be- kannte, aus schachbrettartig, in erhöhten und vertieften Stellen wechselnden Stabfragnlexlten oder Würfeln zusam- mengesetzte Ornament. Ausserdem kommt die zinnen- artige Verzierung (embattled), d. h. die rechtwinkelig gebrochene Linie, ein ltläander der einfachsten Art, auf geraden Gliedern oder an Bögen; die Raute, vereinzelt aneinandergereiht oder zur Kette verschlungen; der Spitz- zahn, die Sternform in mancherlei Veränderungen, der Diamant oder, wie die Engländer sagen, Nagelkopf (nail-head] häufig vor. Auf Wandfeldern "sind Rauten oder Schuppen beliebt und oft sehr wirksam. An Friesen sieht man auch gewundene, strickförmige Verschlingungen, Rosetten, Kugeheiheil oder runde Nagelköpfe. Endlich IV. 2. 23