340 Nordfrankreich. niedrigen und dunklen hohe und gut beleuchtete Kirchen- sehiffe, statt der decorativen, auf plastischen Schmuck ab- zielendeil, eine mehr constructive Tendenz. Dabei ist in den meisten dieser nördlichen Gegenden die burgundische Form des Chorumgangs unbekannt und statt dessen die einfache Chornische wie in Deutschland, auch wohl der gerade Chorschluss angewendet, und endlich ist in der Normandie eine sehr eigenthümliche oft reiche und ge- häufte, aber immer aus mannigfaltigen Combiilationen der geraden Linie zusammengesetzte Ornamentation, der völlige Gegensatz der antiken, ausgebildet, Welche auch in den anderen Provinzen dieser Region mehr oder weniger Ein- güllg" findet. Ich beginne die Betrachtung derselben mit der Nor- mandie, als dem wichtigsten, wenn auch entlegensten Theile. Diese nördliche Gegend, wo die römischen Sitten ohnehin aus klimatischen Gründen weniger Eingang gefun- den hatten, war von den Römern frühe verlassen und später durch die immer wiederkehrenden Raubzüge dänischer und norwegischer Freibeuter so gründlich verwüstet, dass, als endlich Karl der Einfältige (912) den Führer einer solchen Sehaar, Rollo, zum Eidam annahm, und ihn und seine Genossen mit den eroberten Ländereien belehnte, keine Spur römischer Civilisation übrig geblieben war. Der Be- sitz gab dem Charakter dieser rohen Helden eine andere Richtung, sie nahmen das Christenthum und mit ihm bald die Sprache und Rechtsverhältnisse des fränkischen Volkes an. Zwar trat dies keinesweges sogleich und in sanfter Weise ein; der Erfolg, den sie erlangt hatten, reizte an- dere Normannen zu neuen Einfällen, und verursachte wei- tere Kriege mit den Königen oder mit benachbarten Grafen und Fürsten. Allein nach einem Jahrhundert waren die