Tradition ästhetischer Begriffe. 41 römischen oder allenfalls byzantinischen Kunst, mithin be- reits abgeleitete, halbverstandene Vorbilder vor sich, und fassten ihrerseits dieselben Wieder mit halbem Verständ- niss au f. Mit dieser Stellung zur Natur und mit jener Auffas- sung der Kunst als einer Schrift hing denn auch die Sym- bolik dieser Epoche zusammen. Es war noch nicht jene höhere Symbolik, Welche auch die Natur als eine Offen- barung Gottes betrachtet, in ihren Erscheinungen eine gei- stige Bedeutung und die Uebereinstimmung mit der heiligen Schrift, in der Gliederung natürlicher und historischer Ver- hältnisse eine Gedankenreihe almet oder mit naiver Poesie hineindichtet. Es war eine Symbolik vereinzelter Begriffe. Der Geist war von den Lehren der Schrift mächtig ge- treffen und erfüllt und versuchte sie auszusprechen und Anderen mitzutheilen. Aber diese Lehren Waren noch in der Form des abstrakten Gedankens aufgefasst, sie waren noch nicht vollständig flüssig, sie griffen noch vereinzelt und gewaltsam in das Leben ein, man konnte sie daher auch nur vereinzelt wiedergeben. Und noch mehr fehlte es an der freien, liebevollen Auffassung der Natur, welche die entsprechende Erscheinung auffinden konnte. Dem mangel- haften Gedanken entsprach daher ein mangelhaftes Bild, der Zusammenhang des Einzelnen mit dem Gesanlmtinhalte War ein loser und willkürlicher. Die Bilderspraehe war, wie die des Wortes, noch nicht frei wid leicht, sondern von der Tradition gebunden, Fremdes mischte sich mit Eigenem, Selbstgedachtem. Man behielt daher die altchrist- liehen Symbole, soweit sie noch bekannt waren, bei, ver- mehrte ihre Zahl aus einzelnen mystischen Andeutungen kirchlicher und profaner Autoren, folgte der tropischen Rede der heiligen Schriften wörtlich und kam so zu einer Hie- roglyphik, welche oft, bis ein Zufall lms in der zum