20 Erste Epo ehe. Deutschlan d. Verwechselung der Gelehrten wurde , vermöge der Ueber- tragung der römischen Kaiserwürde auf die deutschen Kö- nige, praktisch. Diese Wurden dadurch in dem Glauben eines höheren, von oben verliehenen Rechtes bestärkt, traten mit Ansprüchen auf , welche sie nur vorübergehend und unvollkommen durchführen konnten, wendeten ihre Kraft entfernten Dingen zu imd vernachlässigten das Heimische und Nahel Es bildete sich dadurch im deutschen Volke eine Scheidung der 'l'he0rie und des Lebens, Welche noch bis auf unsere Tage nachwirkend ist. Der Begriff der kaiserlichen Gewalt und der Einheit des Reiches wurde der Nation tief eingeprägt, Wälnend im Leben manches Wi- derstrebende bestehen blieb oder sich ausbildete. Unter der kräftigen und klugen Regierung der ersten salischeil Kaiser stieg die königliche Gewalt noch immer , aber gerade 'die hierauf gegründete Steigerung der Ansprüche brachte schon ihre nächsten Nachfolger zum Falle, und die Vortheile jener klassischen Richtmig verblieben ausschliesslich der Kirche. Die logische und juristische Präzision der lateinischen Sprache sagte ihrer strengen Gesetzlichkeit zu , und die Bildung gab den gelehrten Geistlichen ein entschiedenes Uebergewicht über die Laien. Diese dagegen, kaum noch aus dem Zustande ursprünglicher Rohheit hervorgegangen, Wurden durch den Klang der fremden Sprache und (illfßil den grösseren Umfang der Schulwissenschaften mehr und mehr zurückgeschreckt; sie verliessen daher den von Karl d. Gr. und den sächsischen Fürsten eingeschlagenen Weg, und die Trägheit der Standesgenossen machte bald die Un- wissenheit zur Ehrensache Indem aber die Laien auf 1') Wippo klagt die deutschen Laien im Gegensatze gegen die besser unterrichteten Italiener ausdrücklich eines Vorurtheils an: „Solis Teutonicis vacuum vel turpe videtur, ut doceant aliquem, nisi clericus accipiaturf" (Panegyr. ad Henr. III. bei Canis. Lect. ant. II. p. 196.)