Styl Darstellung. der 351 licher Kraft wagte sie sich nicht, wie denn diese ja auch im Leben nur vorübergehend in der einzelnen That, nicht in völlig ausgebildeten Persönlichkeiten erschielh An Porträts im eigentlichen Sinne des Worts war ebenso- Wenig zu denken; unbestimmte Charaktere konnten auch nur eine unbestimmte Darstellung erhalten. Ueberdies war der Grabstein die einzige Stelle derselben. Die Kunst hielt sich in dem engen Kreise einfacher Motive und fand ihre höchste Aufgabe in der Demuth. Und wie diese Eigenschaft im Leben über ihre wahre Bedeutung hinaus gesteigert war, so erscheint sie auch in der Kunst oft nicht bloss als ein sanfter, einzelnen Gestalten ver- liehener Charakterzug, sondern als der vorherrschende Ton der ganzen Darstellung, als eine unmittelbare Aeusse- rung des Künstlers. Da er nicht hoffen konnte, die hohen Gegenstände seiner Aufgabe in der sinnlichen Er- scheinung zu erschöpfen, so suchte er die Kluft fühlen zu lassen, welche das Irdische vom Göttlichen, das Sichtbare vom Unsichtbaren trennt, oder hatte doch keinen Antrieb, seine Darstellung zu vervollkommnen, da er nur eine Erinnerung an das heilige Ereigniss, nicht ein wahres Abbild desselben zu geben brauchte. Daher oft das Matte, Handwerksmässige, oft das Trockene, Lehrhafte und deshalb Uebertriebene der Auffassung. Dies sind Schwächen, die man wenigstens für eine grosse Zahl der mittelalterlichen Werke zugeben muss; aber sie er- scheinen bei näherer Betrachtung in minder ungünstigem Lichte. Manches, was auf den ersten Blick ein Fehler zu sein scheint, ist doch ein Motiv, ein Mittel, wo- durch der Künstler seinen Gedanken vor-sinnlichen wollte, und das, wenn wir in diesen einzugehen geübt sind, eine Bedeutung und selbst eine Schönheit hat. Ja