Das wahre Geheimniss der Meister. 333 desshalb schön, weil es von allen anderen Theileu gleich- mässig geschieht und so das Ganze bildet und erhält, Im Aeusseren tritt eine ganz andere Seite des ritterlichen Wesens hervor; was dort als weiches Hin- geben und sehnsüchtiges Aufblicken erschien, zeigt sich hier als kiihnes, beharrliches, unbeugsames Streben. Stolz und fest steigen die Strebepfeiler aus starker Wurzel hoch empor, ihre Reihe steht geschlossen wie ein Wald von kriegerischen Lanzen, aber der vorherrschende Geist der Sonderung und der Auszeichnung hat die festen, ein- heitlichen Mauern gebrochen. Nur die Gleichheit der vielen Einzelheiten zeigt die Einheit des Ganzen und nur in dem allmäligen Aufwachsen, in dem Anschluss an die das Innere stützenden Bögen, in dem Blätter- schmuck der Fialexi äussert sich noch jener pflanzen- ähnliche, weiche Sinn, der im Inneren herrscht. Hier zeigt sich auch die scholastische Consequenz in ihrer spaltenden Schärfe, während sie im Innern noch von der Weichheit des Gefühls beherrscht wird. Diese [Tebereinstimmung der baulichen Form mit dem Zeitgeiste ist auch die Quelle ihrer Schönheit. Die Zeit War einegrosse, tieferregte, fromme, jugendlich kräftige, sie erfasste die höchsten Wahrheiten in einer vielleicht beschränkten, aber auch bestimmten, Vertrauen erwecken- den Form, und drückte das Gepräge dieserForm allen Le- bensäusserungen auf. Sie besass daher die Elemente einer künstlerischen Entwickelung, und strebte mit wahrer Sehn- sucht nach einer solchen, um eine Anschauung ihres inneren Wesens zu erlangen. Das Verdienst der Meister war es, dass sie, die Begabten, sich treu uud- bescheiden diesem allgemeinen Streben hingaben, dass sie nichts Anderes und Besseres geben wollten, als was die Zeit