308 Freimaurerische Lehre. werden"). Diese Collegia hätten-sich, so erzählt man weiter, beim Untergange des Römischen Reichs und namentlich auch in dem zum Christenthume bekehrten Britannien erhalten, wo dann ihre schon von Alters her überlieferten reineren Erkenntnisse später eine neue An- wendung bekamen. Nach Britannien nämlich wäre die christliche Lehre nicht erst aus Rom, sondern schon in früherer, reinerer Gestalt unmittelbar aus Asien überliefert worden, so dass die späteren Bekehrer bei ihren mehr römisch gestalteten Doctrinen einen Widerstand von jenen alten Christen erfahren hätten M). Zwar habe die römische Kirche den Sieg davon getragen, aber es Wären noch Anhänger jener reineren, einfacheren Religion übrig geblieben, welche dieselbe im Stillen fortpilanzten. Die Lehre dieser Culdeer (Colidei, Gottverehrer), wie sie genannt wurden, sei nun auch in die ohnehin schon von ähnlichem Geiste erfüllten Bauvereine eingedrungen, so dass diese der Sitz eines reineren Christenthums und einer geheimen Opposition gegen die immer mehr ent- artenden Satzungen der mittelalterlichen Kirche geworden wären. Zwar sei nunmehr auch die Bauthätigkeit, wie alle Bildung, in die Hände der Geistlichen und Mönche übergegangen, und wären die Baulo gen daher in den Klöstern, jedoch mit Zulassung von Laien, gehalten; aber auch dies hätte nicht verhindert, dass sie in ihrem alten Geiste fortwirkten. S0 habe dann im Jahre 926 ein eingeweihter Gönner dieser Vereine, der Prinz Edwin, des Königs Bruder, i") Die schwülsligen Aeusserungen Vitruvs über die philosß- phische Tendenz der Baukunst geben natürlich keinen Beweis über die traditionellen Lehren dieser Corporationen. Hi) Was allerdings geschichtliche Thatsache ist. Vgl. Neandeis K. G. I. S. 121, III. S. 30 ff.