278 Abweichende Formen. in zierlichen und kühnen Formen zu versuchen, welche man aus constructiven oder religiösen Rücksichten an den Kilchen selbst noch nicht anzubringen wagte. Die bürgerliche Baukunst gewährt überall mehr ein sittengeschichtliches als ein künstlerisches Interesse; die Fortschritte der Civilisation zeigen sich hier haupt- sächlich. in Einrichtungen der Bequemlichkeit, während der Schmuck nur aus der kirchlichen Architektur entlehnt und nur wenig nach den verwaltenden Zwecken modi- licirt ist. Diese Mcdiiicationen gingen im Mittelalter grösstentheils aus dem kriegerischen Charakter der Zeit hervor; sie waren mehr auf Schutz und Abwehr, als auf Genuss und Pracht gerichtet, und dienten daher auch nicht zur Bereicherung der Kunst. Allein dennoch prägte sich auch in ihnen der Geist der Zeit aus, und es ent- standen Formen, Welche, wenn auch ohne künstlerische Ansprüche, charakteristisch sind und der höheren Baukunst entgegen kamen. Die Burgen der Ritter waren meistens mit beschränkten Mitteln, auf Bergspitzen oder in Süm- pfen angelegt, und zeigten keine andere Schönheit, als die, welche die Natur oft freigebig ohne Wahl und Ab- sicht der Erbauer rings umher ausbreitete. Grössere Bur- gen bestanden aus mehreren einzelnen Gebäuden, welche von den gemeinsamen Einfriedigungen, von Mauern und Gräben umschlossen, oder so aneinander gereiht waren, dass sie einen inneren Hof bildeten. Der Palas oder Saal, das Herrenhaus und dann der Thurm (Burg- friet, engl. keep-tower) machten die Haupttheile aus, zu welchenWirthschaftsgebäude hinzukamen Bei kleineren S. Leo übex-Balrgenhau in Deutschland in v. RaumeHs histori- 15313, Ausführliche Beschreibungen engli- scher Burgen in Brilton, Archit. Antiqu. V01. IV. Für französische