Basilikenform. 159 sie erschwert aber die Aufgabe des Erzählers, gestattet ihm nicht, ein Bild des Ganzen mit freien und dreisten Zügen zu entwerfen, und nöthigt ihn, auch bei den ein- zelnen Details den geschichtlichen Gang ihrer allmäligen Entstehung zu verfolgen, und die feste Form in der Flüssigkeit ihres Bildungsprozesses zu beobachten. Man hat früher, ehe man das Gesetz dieser Entwik- kelung kannte, die Wandelbarkeit dieses Styls aus der Nachahmung byzantinischer oder arabischer Bau- formen erklären wollen. Auch linden wir wirklich in einzelnen Gegenden Spuren solcher Einflüsse m), und es ist möglich, dass gewisse Formen des Abendlandes ihre erste Anwendung einer im Orient gemachten Beobach- tung verdanken. Indessen hebt dies die Selbstständigkeit der Entwickelung nicht auf 5 es ist gleichgültig, 0b man die Form, deren man bedurfte, durch freie Forschung, oder durch Anschauung bei Andern fand. Im Ganzen war der romanische Styl keinesweges nachahmend; er besei- tigte selbst mehr und mehr die wenigen byzantinischen Formen, welche in der karolingischen Epoche Eingang gefunden hatten, und kehrte zur römischen Basilika zurück, an welcher er dann sofort den Umgestaltungs- prozess begann. Die Basilika war in den Gegenden römischer Civilisation noch in guten Vorbildern erhalten, mit ihren einfachen Ansprüchen und ihrer graden Decke entsprach sie der geringen Kunstfertigkeit einer verwil- derten Zeit, konnte leicht überliefert und beschrieben, in jedem Material, selbst in Holz, aufgeführt werden. Daher wurde denn die runde oder quadrate Gestalt, das künstliche Wölbungssystem, welches im Aaßllner Münster 4') Nähere Daten über den Zusammenhang der abendländischen Architektur und Malerei mit Byzanz werden weiter unten gegeben.