Der Grundriss. 127 Formen zu ergänzen und zu ersetzen, war die Aufgabe des romanischen Styls, die er bald genial bald phanta- stisch löste, immer noch mit einer Rücksicht auf antike Formen oder doch auf das antike, steingemässe Bildungs- gesetz. Im gpthischen Style war diese Rücksicht über- wunden, ein neues eignes Princip errungen, das er kühn und mit Selbstbewusstsein zur vollständigen immer rei- chern Anwendung brachte. Aber nicht bloss die allgemeine T endenz, auch die F ormen beider Style waren vielfach dieselben, die Ver- wandtschaft ist nirgends zu verkennen, sie scheiden sich in gleicher Weise von den altchristlichen Formen. Bertrachten wir zuerst den Grundriss, so finden wir ihn in beiden Stylen in derselben charakteristischen Gestalt des Kreuzes, und zwar des s. g. lateinischen Kreuzes, an welchem der vordere Arm länger ist als die andern. Man darf nicht glauben, dass der symbolische Gedanke, die Kirche auf das Kreuz, auf das Leiden Christi, zu gründen, hier bestimmend gewesen sei; wäre dies der Fall, so würde man gesorgt haben, dass die Kreuzform mehr insAuge fiel; auch hätten, wenn man eine Nachahmung des wirklichen Kreuzes bezweckte, die Querarme länger gebildet werden müssen als es geschah. Für diese Symbolik genügte die Einsenkung eines Kreuzes oder kreuzförmig gelegter Steine bei der Grund- Steinlegung Jene Kreuzgestalt der Kirchen war viel- mehr ein Erzeugniss des architektonischen Bedürfnisses und zwar ein sehr wichtiges. Die Basilika bestand S0 bei Gründung des Merseburger Doms: Heinricus llllßtllßr la-Pides in modum sanctae orucis in fundamento primitus jaciens. (Chron. Episc. Mers. p. 357 bei Lepsius in den Neuen Mittheilungen des Thür. Sächs. Vereins 1:342).