Die Mystik. 109 der sinnlichen und verständigen Betrachtung eine dritte, höhere gäbe, welche, indem sie sich sammele und von allem Menschlichen losreisse, mit unmittelbarer göttlicher Hülfe zum Anschauen Gottes sich aufschwinge Sie forderten also eine tiefere, innigere Erkenntniss, eine grössere Lebendigkeit, welche alle Dinge zusammen in deutlicher Anschauung sich vergegenwärtige w), und nah- men dabei ausdrücklich alle Seelenkräfte in Anspruch, besonders auch die Einbildungskraft, indem sie durch die sinnlichen Dinge, vermöge ihrer Aehnlichkeit mit den übersinnlichen, eine Anschauung der letzten erhalte mit). Die Natur war ihnen ein Spiegel, in welchem wir Gottes Sein und Wesen anschauen können, oder ein Wachs, in welchem die göttlichen Ideen abgedruckt seien Sie lehrten, dass die Dinge nur Zeichen seien, die Got- tes Wesen andeuteten, sie erklärten jeden, der sie anders betrachte, für einen stumpfsinnigemfräumer Sie ver- suchten also die symbolische Anschauung zum Princip eines wissenschaftlichen Systems zu erheben , sie So der h. Bernhard v. Clnirveaux (bei Schmid Mysticismus des Mittelalters. Jena 1824. S. 196.) Speculaliva est consideratio se in se colligens et Quantum divinitus adjuvatur, rebus humanis exi- mens ad contemplandum Deum. W) Richard v. S. Victor (bei Schmid a. a. 0. S. 292.) Contem- plalio est vivacilas illa intelligenliae, quae curlcta in palam habens manifesta visione comprehendit. Der h. Bernhard bezeichnet sogar diese lebendige Anschauung als einen Bausch: ut divino ebriatus amüfß animus, oblitus sui, tolus pergat in Deum. S. 271. "Ü Richard v. S. Victor bei Schmid a. a. O. S. 356. 1-) Bonaventura bei 'l'ennemann. Gesch. d. Philos. Th- 9. S. 543, 537. 11-) Gerson, tom. 4 p. 816 bei Rixner, Handbllßll der Gesch- d- Phil. II. 182. Quicunqive non accipit res, prout sunt signa Deum Signiücantia, is merito dicilur non inlelligens et hebes, imo quasi som- niator phantasticus, utpole qui in vigilia inepte sigua phanlasmatum pro rebus ipsis suscipit et hahet.