68 Volksglaube. so lange gemischt erhielt, bis sie mit christlichen Elementen in das sich bildende Nationalleben übergehen konnte. Denn auch in der antiken Literatur, aus der die Schule Nahrung sog, war, wie in der römischen Staats- Ordnung, ein Element verborgen, das, obgleich scheinbar harmlos, dennoch dem Christenthume entgegenstand, die antike Auffassung der Natur und ihres Verhältnisses zum Menschen. Den Griechen einer milden Zone und Römern in dem glücklichen Klima hatte sich die Natur wie eine zuvor- kommende Dienerin gezeigt, die sich wenig bemerkbar macht. Sie beobachteten sie daher nicht im Ganzen, schrieben ihre einzelnen Gaben einzelnen Kräften und einzelnen wohlthätigen Wesen zu, und wurden so zum Polytheismus geleitet. Ihre lNaturaulfassung war also dem Christenthum innerlich wider-sprechend, sie wäre aber dennoch durch den Einfluss der alten Schriftsteller in die christliche Welt übergegangen, wenn nicht die entgegengesetzte Anschauung der germanischen Völker sie verdrängt hätte. Allerdings war auch diese noch mit heidnischen Elementen vermischt, aber doch dem Christenthume verwandter als jene. Das nordische Klima, rauh und wechselnd, mit seiner schwachen Pro- duction und seinem langen Wiuterschlafe, nöthigt den Menschen zur Gegenwehr, macht ihn rüstig und arbeit- Sam, lehrt ihn seine Freiheit, aber auch seine Schwäche und Isolirung, und ihr gegenüber die Natur als ein grosses Ganzes, eine gewaltige, einheitliche, bald wohl- thätige, bald verderbliche, immer aber geheimnissvolle Macht kennen, zu der er im Gefühle seiner Bedürftig- keit mit einem Blicke der Ehrfurcht hinaufsiehet. Daher