Immoralität der Geistlichen. 25 welthistorisch bedeutendes Beispiel solchen frommen Betrugs; im Kleinen kam Aehnliches unzählige Male vor. Selbst die Zeitgenossen klagen über die Menge erfundener Legenden, untergeschobener Reliquienili). Um den rohen Ausbrüchen der Laien zu widerstehen, um hülfreich zu sein, bedurfte die Kirche äusserer Macht und weltlichen Reichthums; Ihre Priester wurden aber dadurch von allen herrschenden Lastern angesteckt, ilahmen oft an Krieg, Jagd und rohen Lustbarkeiten Antheil und achteten die Würde ihres Amtes so wenig, dass sie sich mit offener Waffengewalt unter- einander bekämpften, und den Besiegten schmählich beschimpfteniiikqt). Befdieser Rohheit ihrer eigenen Diener konnte die Kirche kaum daran denken, unmittelbar an der Sittlichkeit des Volks zu arbeiten. Es genügte ihr, Gehorsam und eine heilsame Furcht zu erhalten. Daher begünstigte sie den Aberglauben, hatte für seine gröb- sten Verirrungen ein mildes Urtheil, weilte gern bei der sinnlichen Ausmalung der Höllenstrafen und der Himmels- freuden, und schwächte die Kraft der Reue durch ein System äusserlicher Bussen. Ü S. des Kardinals Fleury Hist. de Pegl. (40. 1'751) im Anf. des V01. XIII. Der Abt Guibert von Nogent (bei Guizot hist. de la civnen France IV. 522) zählt eine Reihe solcher Betrügereien auf. Andre Beispiele bei Gieseler K. G. II. S. 33. Note h. Man musste es noch besonders einschärfen, dass es nicht erlaubt sei: pro pietate mentiri. M) S. Fleury a. a. 0. Eichhorn, Gesch. d. Cult. und Lif. I. 463 if. Neander K. Gesch. lV. 242. Unzählige bekannte Beispiele. Kampf der Schnüren des Bischofs von Hildesheim und. der Mönche von Fulda im Dom zu Goslar. Lamb. Aschaifenb. bei Pistor. Rerm. Germ- SCF- I- 397- Calixt II. lässt den Gegenpapst Gregor VIII. auf einem Kameele, in Felle gekleidet, rückwärts sitzend nach Rom führen. Schlosseüs Weltgesch. Mittelalter II. 2. 246.