Zeitalter Augusts. 477 dass man sich hiebei hauptsächlich römischer Architekten, nicht mehr wie sonst griechischer bedient habe. Genannt wird uns namentlich Valerius von Ostia als der Bau- meister des Pantheons. In dieser Zeit lebte denn auch Vitruv, dessen architektonisches Lehrbuch, das einzige des Alterthums , welches auf uns gekommen, uns so wichtig ist. Dieses Werk zeigt ihn als einen tleissigen und unterrichteten Mann, der das Technische und Aesthe- tische seiner Kunst nach Kräften durchdacht hatte, keines- weges aber als von höherer Kiinstlerweihe; vielmehr haben seine Urtheile und Ansichten stets etwas Pedantisches und Kleinliches. Als Baumeister scheint er nicht sehr beliebt gewesen zu sein; er erwähnt nur eines von ihm ausgeführten Gebäudes, einer Basilika in dem Landstädt- chen Fano. S0 viel wir aber auch bei seiner Auffassung der Kunst seiner Persönlichkeit zuschreiben mögen, so wird er sich doch in seinen Studien an den allgemeinen Geist der damaligen Lehrer der Architektur angeschlos- sen haben, und sein Buch giebt uns daher in dieser Beziehung wichtige Aufschlüsse. Da ist es denn sehr augenscheinlich, dass die Theorie nicht ganz mit der Praxis Hand in Hand ging. Vitruvs Bemühen ist bei allen Gebäuden, für welche er Anleitung giebt, soviel wie möglich eine bestimmte Regel hinzustellen, ein Ge- setz, das, etwa wie die der Rechtspflege, genau befolgt werden kann. Für jede Gattung der Tempel schreibt er die Säulenzahl, die Maasse mit Entschiedenheit vor, jede scheinbare Unregelmässigkeit ist ihm zuwider, mit dem eigentlich griechischen Baustyl, dem dorischen, ist er daher gar nicht sehr einverstanden, der Regelmässigkeit zu Liebe ordnet er einen Gebrauch- mancher Glieder an, welcher der ursprünglichen Bedeutung und dem Zwecke