462 Römische Architektur. Gebäude dieser Art, mehreren aufeinanderfolgenden adligen Familien als Festung in den Wilden, städtischen Fehden, welche die einst gebietende Stadt so lange beunruhigten; im sechszehnten Jahrhundert, als die Zeiten friedlicher waren, wurde es zur schlossartigen WVohmnig eingerich- tet. Noch jetzt sieht man an den nun verfallenden Häu- sern die Architektur zweier Stockwerke , des untern, dorischen und des ionischen; wahrscheinlich stand ein drittes Stockwerk korinthischer Ordnung darüber. Der Styl dieses Gebäudes ist völlig römisch, dem griechischen sich nähernd, aber mit manchen unpassenden Veränderun- gen. S0 hat das dorische Gebälk ausser den 'l'riglyphen auch Zahnschnitte, eine Zusammenstellung, gegen die schon Vitruv eifert. Bei dem Beginne der modernen Studien des Alterthums, che man ächtgriechische Archi- tektur kannte oder beobachtete, wurde es indessen lange als Muster des Styls nachgeahmt. Bei Weitem reicher sind wir an Amphitheatern; ihre rings umher gehende Ründung mit den Widerlagen kräf- tiger Gewölbe hat den Stürmen des Mittelalters bessern Widerstand geleistet. Ausser dem zu Pompeji sind die Arenen von Verona, Nismes, Pola und Capua wohlerhal- ten. Vor allem aber ist denn das flavische Amphitheater in Rom, von Vespasian begonnen, von Titus vollendet, berühmt, das Colosseum, so benannt entweder wegen der Nähe des Colossalbildes des Nero oder wegen seiner eignen Grösse. Seine Stufen fassten 87000 Zuschauer; bei einer Länge von fast 600 Fuss, erhob es sich zu einer Höhe von 180 Fuss, dem Doppelten des Berliner Schlosses. Vier Stockwerke bildeten das Aeussere, die drei untern jede mit 80 Bogenöffnungen in toscaili- scher, ionischer, korinthischer Ordnung, das oberste mit