394 Etruskische Kunst. dass tend dennoch ihre Eigenthümlichkeit unbewusst sich gel- machl; und sich treu bleibt. Wir finden darin einen neuen Beweis der Kunstform von und dem tiefen innern Zusammenhange der Sinnesweise. Eine Geschichte, welche sich zur Aufgabe gestellt hat, diesen Zusammen- hang im Auge zu behalten, findet daher wohl Veranlassung dies Volk mit andern zu vergleichen. Frühere Archäologen hielten häulig die etruskisehe Kunst (wie die altgriechische, mit der man sie damals oft verweehselte) der ägyptischen verwandt und nahe- stehend. In künstlerischer Beziehung ist das nun wohl sehr unrichtig; dagegen sind manche Aehnlichkeiten des geistigen Charakters beider Völker nicht zu verkennen. Zunächst die überwiegende Religiosität beider, die Nei- gung, jede Handlung des Lebens mit einer religiösen Feier in Beziehung zu bringen, die Beschäftigung mit dem Gedanken an den Tod. Dabei eine gewisse Absicht- lichkeit des Religiösen, eine Rücksicht desselben auf das Moralische , dem es, äusserer Herrschaft ungeachtet, diente. Endlich, was wir als die Quelle beider Erschei- nungen ansehen dürfen, eine herrschende Priesterschaft, auch bei den Etruskeril an die Geburt geknüpft. Dennoch sind auch im Geistigen die Verschiedenheiten offenbar überwiegend. Will man die Priester der Etrusker, weil sie nur aus einem Stande hervorgingen, eine Caste nen- nen, so ist sie es doch in ganz anderm Sinne, wie bei den Aegyptern. Die Patricier sind nicht bloss Priester, son- dern auch weltliche Herrscher, und, was die Ialauptsache ist, nicht alle Stände sind durch die Geburt fixirt, bei dem Volke ist Freiheit der Wahl, bei den Vornehmen weniger Pflicht als Vorrecht. Es liegt daher hier eine ganz andere Richtung des Geistes zum Grunde, wie in