222 Zweite Periode der griech. Kunst. hingegebene , bescheidene Frömmigkeit und den Geist des Strebens und Forschens, die Anhänglichkeit an das Hergebraehte und den Trieb unbeschränkten Fortschreitens. Beide sind hier noch nicht vollkommen verschmolzen, sie zeigen sich in gesonderten Momenten, aber darum nur um so klarer und" bestimmter. Ihre künftige Durchdrin- gung gewahren wir nur daran, dass beide jetzt schon gleiches, wenn auch auf jeder Seite übertriebenes Maass halten, und wir haben daher von diesen Werken einer noch vorbereitenden Zeit den wohlthätigen Eindruck, Welchen uns der Anblick eines Jünglings macht, in dessen wiewohl schroffen Aeusserungen wir den Charakter des bedeutenden Mannes ahnen. Auch in einem solchen ist noch nicht die vollkommene und ruhige Harmonie der Kräfte, Welche bei späterer Reife eintritt. Er geht bald nach der einen, bald nach der andern Seite hin zu weit, die Elemente seines Wesens kämpfen noch in ihm und erlangen wechselweise die Oberhand. Aber grade die Kraft dieser einzelnen Aeusserungen, das deutliche und entschiedene Einsetzen der Töne bürgen für die Entwicke- lung seines Wesens. S0 ringen denn auch in diesen Kunstgestalten die beiden Elemente, die beharrende Fröm- migkeit der Ueberlieferung mit dem Geiste der Freiheit, und in diesem Kampfe spricht sich die Frische der Jugend und die Zuversicht des Werdens erfreulich aus. In den vollkommensten Werken dieser Epoche, den äginetischen Statuen, sehen wir diesen Zwiespalt seiner Entscheidung nahe gebracht. Jenes Conventionelle der frühem Kunstübung ist schon gemildert; nur in der Hal- tung und Bekleidung der Göttin ist es noch auffallend, in der Anordnung der Gruppe Wirkt es nur als Wohl- thätige symmetrische Regel. Die Naturwalirheit hat schon