Einheit der Künste. 153 einander, standen sie alle zusammen dem Leben der Wirklichkeit nahe , und wie sich in diesem der tiefe Ernst mit der leichten Heiterkeit berührte, so waren beide auch in der Kunst nicht durch eine unübersteigliche Kluft geschieden. Wir sahen schon, wie in der plastischen Darstellung der thierische Faun durch die Gegenwart des Gottes nicht verscheucht wird. Noch deutlicher wird dieser leichte Uebergang vom Erhabenen zum Komischen in der aristophanischen Komödie, wo sich die Kunst freier ergeht, und nicht durch die Haltung des plastischen Styls gebunden ist. Wie sich hier auf eine, uns höchst fremdartige Weise die Strenge der betrachtenden Para- base an die ausschweifende, parodistische Lustigkeit an- reihet, haben wir nur ein Abbild des griechischen Marktes, wo der Ernst der Volksberathung und des Gerichtes mit der Seurrilität des sinnlichen Lebens und mit einem [ihantastischen Witze wechselte, wie er nur aus dem Gefühle der Sicherheit und Freiheit griechischer Sitte hervorgehen konnte; und zwar dies Abbild in einer Kunst, welche mit dem höchsten Bewusstsein ihrer phantasti- schen Allgewalt sich einer durch und durch poetischen WVirkliehkeit ohne Besorgniss anschliessen durfte. Wir mögen in dieser höchst charakteristischen Erscheinung, die uns, wie gesagt, so sehr wir uns auch mit dem Grie- chenthum befreunden mögen, immer fremdartig bleiben wird, den concentrirten Ausdruck dessen erblicken, was die Griechen von uns und andern sondert, ihrer nationel- len Beschränkung, zugleich aber auch dessen, was sie so bexwndernsivürdig macht. Darin grade lag der Keim ihrer Grösse, dass sich alle Gegensätze mit klarem Be- wusstsein schieden, jedes Einzelne sich rein "und geson- dert darstellte, alle diese Gestaltungen aber in naher