82 Griechische Plastik. gewaltsam schildert, haben Mitleid, selbst die Rosse des Achilles weinen über Patroklos Tod; die Götter sind ohne Erbarmen. Auch sie selbst versehmähen Lügen nnd Täuschungen nicht; Zeus sendet dem Agamemnon einen siegverheissenden Traum, der ihn zum ungünstigen Kampfe verleiten soll; Athene unter der Gestalt des Deiphobos reizt Hektor zum Angriff auf Achilles, sie verspricht ihm zur Seite zu stehen, und liefert ihn so dem Tode. Wenn seine Helden sich grausam zeigen, Fügt der Dichter Wohl ein Wort hinzu, durch Welches er seine Missbilligung andeutet, wie bei den Menschen- opfern, die Achill bei der Leichenfeier des Patroklos darbringt, „denn schreckliche Thateil ersann er." Die ungerechten Handlungen der Götter werden stillschwei- gend hingenommen. Hektor, als er jene Täuschung der Pallas erräth, spricht nur die Klage über das ihm bevor- stehende Schicksal aus. Die Menschen zeigen sich im Ganzen edel; die Ilias und Odyssee sind" reich an Beispielen der zartesten Freundschaft, der reinsten ehelichen Liebe, der Grossmuth,- der Gastliehkeit. Die Götter scheinen das Vorrecht rücksichtsloser Laune und Willkür zu ha- ben. Gewiss will sie der Dichter lästern nicht oder ver- kleinem, sie sind ihm vielmehr zu gross, zu wunderbar, als dass die Menschen mit ihnen in Vergleich gestellt werden könnten. Was sie Sich auch in ihrer Ucbermacht erlauben mögen, für den Menschen "erscheinen sie nur als die würdigen Leiter und Vorsteher der Weltordnung. Aber auch in dieser Beziehung der Götter auf die Men- schen erkennt man bei Homer erst den Beginn einer sittlichen Ansicht; denn die Götter erwählen ihre Begün- stigten meist nur aus Willkür oder Leidenschaft. Zeus rühmt I-Iektor nach seinem Tode, nicht weil er tugendhaft