Giovanni Plsano. 569 Eigentliche Schönheit aus; im Nackten ist er Naturalist, in den Köpfen mehr lebendig und (Wo der Gegenstand es gestattet) jugendlich voll, als holdselig. Immer aber sind die conventionellen byzantinischen, die rohen romanischen Formen durch seinen Vater und durch ihn ent- schieden beseitigt. In Pisa selbst werden dem Giovanni noch mehrere Madonnen zugeschrieben? diejenige auf dem Vordergiebel des Domes; die thro-a nende Madonna mit Engeln in dem Baldachin über der einen Thürb des Camposanto (für ihn zu leblos). (Vasari führt noch andere Ma- donnen an.) Einen nahen Anspruch auf seinen Namen möchten die Propheten- figuren in den Füllungen zweier Beichtstiihle zu S. Micchele in Borgoc haben. Wie weit die ihm beigelegten Arbeiten im Camposanto ihmd angehören, ist schwer zu entscheiden. Am ehesten wohl die edle Statuette des Petrus (bei vielleicht auch die bedeutende Gruppe (N. 47) einer Caritas, über den zusammengestellten Figuren der vier Cardinaltugenden, so viel harte Manier auch darin sein mag; sie könnte etwa für hohe, entfernte Aufstellung berechnet gewesen sein. (Die Nackte von den untern Figuren verräth die Nachbildung eines Venus- motives, in GiovannPs Formen.) Auch bei dem Heiligen mit der Wage 136) über einer Basis mit den sieben freien Wissenschaften (nebst der Philosophie als Königin) wird man am ehesten an Giovanni denken dürfen. Vollends kann der barocke I-Iercules (N. 2) kaum von einem andern sein als von dem Sohne Niceolö Pisands; Kopf und Seitenproül des Ganzen sind der Antike entnommen, die magere Bil- dung durchaus naturalistisch. Auch das Weihbecken mit den Statuen der vier Evangelisten ime rechten Querschiif des Domes steht der Art Giovanniis noch sehr nahe. In Padua findet sich noch ein bezeichnetes Werk GiovannPs: aJßhüs magistri Nieoli"; nämlich das Grabmal des Errico Scrovegnof hinter dem Altar in Madonna delP Arena (1321). Maria, im Gespräch mit dem ganz bekleideten Kinde auf ihrem Arm, und die beiden En- gel sind nicht bloss in der Art, sondern recht sehr in der Manier des Meisters; die Statue des Verstorbenen dagegen ist als eines der ffühstcn Werke welche seit Untergang der römischen Kunst den Na-