Bildnisse Alexanders des Grossen. 515 welche vielleicht nur spätere Copien gleichzeitiger Bildnisse sind. (Der marmorne Ptolemäus Soter im ersten Gang; die übrigen fünf Ptole- a mäer nebst der zweifelhaften Berenice (Seite 455, c) bei den grossenb Bronzen.) Es erscheint ewig lehrreich, wie hier die Unregelmässig- keiten der Gesichtszüge ganz unverholen zugestanden und doch mit einem hohen Ausdruck durchdrungen werden konnten. (Ob der wun- derlich gelockte Frauenkopf wirklich den Weibisehen Ptolemitus Apion darstellt, wollen wir nicht entscheiden; von der berühmten Kleopatra. ist unseres Wissens nur das sehr zweifelhafte Köpfchen _im Philoso- l) phenzimmer des Museo capitolino vorhanden.) Ein Räthsel ist und bleibt aber das Bild des Gründers aller Dia.- doehenherrlichkeit, Alexanders des Grossen selbst. Man weiss, wie sehr er dafür besorgt war, dass seine Züge nur in hoher Auf- fassung und meisterlicher Ausführung auf die Nachwelt kommen möch- ten und wie Lysippos gleichsam ein Privilegium hiefür besass. Und in der That zeigen die beiden berühmten Colossalköpfe des Museod capitolino (Zimmer des sterbenden Feehters) und der Ufiizien in Florenz (Halle des Hermaphroditen) einen vergöttlichten Alexander, und zwar, wie man bei dem erstern annimmt, "als Sonnengott. (We- nigstens war er in einem der Lysippischen Werke, wovon dieses eine Nachahmung sein möchte, so gebildet.) Es ist ein mächtig schönes Haupt mit aufwärts wallenden Stirnlocken, aber woher dieser Zug der Wehmuth? wir denken uns Alexander vielleicht wohl gerne so, mit einem Vorgefühl des nahen Todes mitten in den Herrlichkeiten des eroberten Asiens, allein für die griechische Kunst wäre solch eine sentimentale Andeutung etwas auffallend. Noch viel deutlicher findet sich dieser Ausdruck in dem florcntinischen Kopfe (Ufiizien, Hallee des Hermaphroditen). Hier ist der Schmerz ungemein stark in den aufwärtsgezogenen Augbraunen, in der Stirn, im Munde ausgedrückt; der Sohn Philipps wird zu einem jugendlichen Laocoon. Die einfach grandiose Arbeit übertrifft bei weitem die des capitoliuischen Kopfes. (Man benennt dieses ausserordentliche Werk wohl mit Unrecht als nsterbenden Alexander"; der nleidende" möchte richtiger sein _s- eine genügende Erklärung giebt es nicht.) Von der Reiterstatue , _we1che in Alexandrien dem Gründer zu Ehren errichtet war, Wissen wir nichts mehr 5 dagegen ist von einem 334"