Textile Kunst. China. 245 die auf Veranlassung der Missionäre von chinesischen Künstlern für erstere gemacht wurden. Einige andere Notizen habe ich dem interessanten Werke des Sir William Chambers entnom- men, des einzigen Architekten, der meines Wissens China im Interesse seiner Kunst bereiste und beschrieb. 1 Rau mal) Schluss. Das ursprüngliche Motiv für Raumabschluss, die Hecke, das Zweiggeflecht, ist in China zu raffinirtcster Vollendung ausge- bildet worden. Die Unnatur ausschweifendster Ornamentik zeigte sich schon auf den ältesten Denkmälern der Chinesen, den be- rühmten Bronzevasen aus den Zeiten der zweiten Dynastie, (17 66 bis 1122 vor Christus) gleichsam unmittelbar auf diesen rohen Naturstock geimpft, jedoch so, dass letzterer durch die Verkehrt- heiten baroker Willkür gleichsam als der Haltung gebende Stra- meigrund hindurchblickt. Man sieht, das Gitterwerk bildet die Basis der chinesischen Ornamentik, und zwar hier eine ursprüng- liche unmittelbar von der Wirklichkeit entnommene Basis; denn die Vorbilder dieser ornamentalen Form, (der wir überall wieder begegnen werden, aber schon zum Theil in einer Anwendung, die sich des Ursprungs derselben nicht mehr bewusst ist,) stehen noch heute wie vor 5000 Jahren hier vor aller Welt Augen; in den Bambusgittern nämlich, welche in keinem chinesischen Bauwerke fehlen und in unendlicher Mannigfaltigkeit des Mu- sters, bald mit dichterem bald mit durchbrochnerem Flecht- werke, die Räume vergittern und abschliessen , als niedrige Brüstungsschranken die Terrassenmauern umgeben, an den Trep- pen hinauflaufen oder als niedrige Lambris zwischen den Säulen der Pavillons und an den Wänden derselben fortziehen. Der Charakter dieser Gitterwerke ist, wie gesagt, äussorst mannigfaltig, jedoch lassen sie sich füglich in drei Klassen theilen, nämlich eigentliches feines Bambusgitterwerk, das mehr der Textrin als der Tektonik sich anschliesst; aus stärkeren Latten geschickt 1 Sir William Chambers Travels etc. Desselben Designs on Chinese bililding. furniture, dresses etc. F01. London. Eine Bibliographie über China, in welcher jedoch obige handschriftliche Werke nicht genannt sind, ündet man am Ende der Chine moderna ou däscription historique gäographique et litfäraire de ce vasta Empire par M. G. Pauthier et M. Bazin. Paris 1853. Formant partie de PUniverS pittoresqmle.