412 das behelmte Brustbild der Roma mit der Aufschrift INVICTA BOMA zeigt. Also damals noch wurden die von der Wölfin er- nährten Zwillinge für ein Emblem des alten Rom gehalten, und zwar zu einer Zeit, als schon an die Fabeln der My- thologie unter dem Einfluss der neuen Religion nicht mehr geglaubt wurde. Indem Eckhel (a. a. O.) hierauf auf- merksam macht, bemerkt er: doch habc ganz unschädlich geglaubt werden können, dass auch ohne Hülfe der Götter dem Kinde diese mütterliche Sorge von dem wilden Thiere gewährt sei, da in derselben Zeit während des gothischen Krieges unter Justinian zu Urbssalvia im Piccnischen etwas Aehnliches sich begeben, wovon wir den Bericht eines Augenzeugen 1) haben. Ein neugeborenes Kind war von seiner Mutter, die in der Kriegsnoth sich flüchtete und auch nicht wiederkehrte, in den Windeln auf der Erde liegen gelassen: auf das Geschrei des Kindes kam eine Ziege herbei, die eben geboren hatte, saugte dasselbe von Zeit zu Zeit und bewahrte es, dass kein Hund oder wildes Thier ihm schade; worauf das Kind auch später- hin, als Frauen herbeikamen und es nähren wollten, von ihrer Brust keine Nahrung annahm: von dieser merk- würdigen Erhaltung gaben die Einwohner ihm den Namen Aegisthus. Uebrigens ist in diesem Gepräge nur der antike Typus beibehalten auf Denkmälern, die weder ein christliches Kennzeichen haben, noch eine kirchliche Be- stimmung gehabt. 2. Desto merkwürdiger durch beides ist ein anderes Denkmal mit diesem Bilde aus dem neunten Jahrhundert. Es ist das berühmte Diptychon der Agiltruda mit dem Bilde des Gekreuzigten (s. oben S. 22. n. welches 1) Des Procopius, ed. Bonn. Bell. Goth. Lib. 214.