390 kann nun ohne tiefere Bedeutung bloss Attribut des Meer- weibes sein, wie die Mediceische Venus, die aus dem Meer emporgestiegene, den Delphin neben sich hat; doch findet sich zuweilen eine weitergehende Symbolik ange- deutet: und da liegt es nahe, den Fisch für das Bild der Seele zu nehmen, die von den Wogen der Welt umher- getrieben von der Sirene sich hat fangen lassen, wie umgekehrt die Christen, die durch das Wasser der Taufe von der Sünde gereinigt sind, bei Tertullian pisci- culi genannt werden. Zwei Sirenen, jede einen Fisch haltend, sind an den Kapitälen von S. Germain des Pres in Paris 1) aus der zweiten Hälfte des zehnten Jahrhunderts. An den Arkaden des Kreuzgaxigs von St. Aubin sieht man eine Sirene, die in der Linken einen Fisch, in der Rechten ein Messer hält 2). Eine eigenthümliche Vor- stellung zeigt ein Kapital der Kirche zu Cunault: eine Sirene mit einem Fisch in jeder Hand, neben ihr auf dem Wasser schwimmend eine Barke, in welcher ein Mann sitzt, der aus ihrer Hand den einen Fisch empfängt 3). An einem ähnlichen Kapital zu Civaux findet sich noch auf der andern Seite der Barke eine ziveite Person, die sich in den Abgrund zu stürzen scheint, über welchem die Barke schwebt 4). Namentlich auf die drei letzten Vorstellungen bezieht sich jene Meinung, dass die Sirene ein Bild der christlichen Seele oder der göttlichen Gnade sein soll, wonach der Fisch, den sie in der Hand hält, im erstern Fall auf Christus (was ein ganz unpassendes Bild giebt), im andern auf die christliche Seele bezogen wird. Indem ich den Sinn dieser Bildwerke für jetzt 1) Lenoir Monum. de 1a France p. 19. Pl. XIV. iig. 10. 2) Abgehild. bei de Caumont an dem angef. O. 3) Abgebild. in den S. 385. Anm. 2. angef. Mäm. etc. PI. X. 4) Ebendas. p. 442.