329 gleich jenem Bildniss in seine spätere Zeit fallen und dem sechzehnten Jahrhundert angehören. Auch in Deutschland zeigen sich gegen Ende des funfzehnten Jahrhunderts Spuren der Beschäftigung mit mythologischen Aufgaben. Von besonderem Interesse ist hier ein, wie es scheint, verschollenes Blatt von Albr. Dürer, Orpheus in einer Landschaft von wüthenden Bacchantinnen geschlagen, als die Probezeichnung, die er nach der Heimkehr aus der Fremde (1494) der Meister- schaft zu Nürnberg vorlegen musste, um in dieselbe auf- genommen zu werden 1). Dazu kommen von demselben- Datum (1494) zwei Federzeichnungen mit Dürer's Mono- gramm in der Sammlung des Erzherzogs Karl in Wien 2), in denen ein Bacchanal und ein Tritonenkampf dargestellt sind, beide an Mantegna erinnernd 3). In der ersten Hälfte des sechzehnten hunderts. Jahn 1. In diesem Zeitalter entscheidet sich die Bedeutung des mythologischen Elements für die neuere Kunst, und zwar ist es hier die Malerei, welche mit ihren so viel grösseren Mitteln die Sculptur überflügelnd den Aus- schlag giebt. Es kam darin das nun schon herrschende Interesse für solche Darstellungen den Künstlern entgegen, ins- besondere das Streben, die Paläste mit grossen Com- positionen aus der antiken Mythe zu schmücken. Dies 1) Heller Albr. Dürer Bd. II. S. 62. Die Zeichnung war 1679 in der Sammlung Sandrarts (ebendas. S. 2) Ebendas. S. 104 f. a) Auch von Holbein d. J. ist ein 'l'ritonenka1npf ebenfalls nach lllantegna, in der Bibliothek zu Basel (n. eine Zeichnung, welche wichtig ist für die Einsicht in seinen Bilduugsgang, s. Waagen Kunstw. u. Künstler in Deutschland Th.II. S. 286.