18 worden, sind zuerst darin verschieden, dass die mytho- logischen Personen entweder um ihrer selbst willen als geschichtliche Wesen nach dem Charakter, der in der lllythengeschichte von ihnen ausgeprägt ist, oder um Ele- mente und Erscheinungen der Natur zu repräsentiren, als die Geister derselben nach kunstgeschichtlichem Her- kommen aufgefasst sind. Im letztern Fall haben die Bil- der keine religiöse Geltung: es ist die Bezeichnung der Natur durch die Sprache der Symbolik, der die Kunst noch nicht entbehren konnte; es sind poetische An- schauungen ohne den heidnischen Gedanken. In dem erslern Fall aber wird dieser Gedanke, der "Mythus selbst mit herübergenommen. Doch ist in diesem Fall noch weiter zu unterscheiden, 0b man bei der mythologischen Person als solcher und dem Mythus als einem jenseitigen stehen bleibt, oder die Person nur als Träger einer Idee nimmt, die in das Christenlhum hinüberureiset und hier realisirt werden ist: jenes ist der eigentliche, dieses der typische Gebrauch der Mythologie. Hiernach waltet unter den mythologischen Vorstellungen in der christlichen Kunst der Grundunterschied: sie ruhen entweder auf ge- schichtlichen oder vielmehr übergeschichtliclien Voraus- setzungen und haben, eigentlich oder typisch genommen, religiöse Bedeutung; oder sie werden auf Theile der Natur bezogen und haben als physische Personiiicationen nur künstlerische Bedeutung. Die antike Kunst hat ausserdem zahlreiche Wesen aufzuweisen, die eine geschichtlich-mythol0gische Exi- stenz eigentlich nie gehabt hahen, sondern auch dort nur als Personiiicationcn gemeint sind, nehmlich von mensch- lichen Eigenschaften und Zuständen. So hat auch die christliche Kunst aus sich selbst zahlreiche Personen ge- schaffen, welche auf dem eigenthümlich christlichen Ge- biet Eigenschafteli und Zustäinde repräisentiren: es treten