292 zwei elfenbeinerne Beliquienkaslen aus dem 12. Jahrd hundert: der eine in der Sammlung des Herrn von Bei- der zu Bamberg 1), der andere im Zitter der Schloss- kirche zu Quedlinburg 2). Ihre Seitenllachcn nehmlich sind durch Bogenstellungen in zwölf Nischen (je vier an den Langseiten, je zwei an den schmalen Seiten) abge- theilt, in denen die Gestalten der Apostel stehen: und über denselben in den Lünetten der Bogenstellung sind die Thierkreiszeichen angebracht. Diese Zusammen- stellung erinnert erstens an ein antikes Monument, die Ara Borghese im Louvre 3), auf welcher die zwölf Zeichen des Thierkreises, sowie die zwölf Monate und ihnen entsprechend die zwölf Götter vorgestellt sind: wie also ursprünglich durch das System der Jahres- eint-heilung das System der 12 Götter bestimmt sein mag 4), so werden hier die 12 Götter als Beherrscher des Jahreskreises gezeigt, jeder Monat unter dem Einfluss eines Gottes. Erinnert man sich ferner aus dem christ- lichen Alterthum, dass die Apostel, wie sie Christo, der Sonne der Geisterwelt angehören, mit den zwölf Monaten 1) Waagen Kunstw; u. Künstler in Deutschland Th. l. S. 115 f. Doch fehlt daran die eine schmale Seite: das ist eben die Elfenbeinplatte mit zwei Aposteln nebst der Waage und dem Scorpiou, welche in der K. Kunstkammer zu Berlin aufbewahrt wird, s. Kugler Beschreib. der K. Kunstkammer zu Berlin S. 11. n. 9. (v. Ledebur) Leitfaden für die K. Kunszkauxmer S. 3. z) N0. 7. Ranke u. Kugler Beschreib. der Schlosskirche zu Quedlinburg S. 139-142. 1') Abgebild. bei Bouillon Musee des antiq. T. I. als Vignette. 4) Das lieisst bei Bildung desselben in Aegypten, ohne dass bei Durchführung des Systems in Griechenland dieser Gedanke ferner maassgebend gewesen wäre. Vgl. Preller u. Walz in d. Verhandl. der Philologen-Versamml. zu Jena vom J. 1846. S. 51. 55.