Lagerleben. Abendgebet. 229 ritt; nur die Besonnenheit Wilhelmis des Preaux, der sich für den König ausgab, rettete ihn aus dieser Gefahr 1). Das Treiben in einem Feldlager lernen wir am besten aus Guiarts Beschreibung kennen, der (II, 10652 ff.) das Lager, welches 1304 die Franzosen vor Arras aufgeschlagen haben, schildert. Die Zelte sind in Reihen und Strassen geordnet aufgeschlagen (10655: par arees et par seillons); wer kein Zelt hat, baut sich eine Hütte aus Zweigen. „(10681) Im Heere hier und da in den Gassen treiben sich die guten geringen Leute herum, die von der Arbeit ihres Leibes leben und die des Gewinnes halber dem Heere folgen. Die bauen Oefen und Back- öfen an den Gräben nahe den Strassenecken und beeilen sich dabei sehr. Da backen sie Torten und Pasteten. Schenkwirthe, deren viele in Schulden stecken, haben wieder auf Iiarren Tonnen mit Wein, den sie den verlangenden Soldaten aufgerührt sammt dem Bodensatz verkaufen. Die Anderen rufen ihr Godale aus, das, wie sie sagen, aus Arras ist. Da hört ihr alte Weiber in verschiedenen Tonarten schreien, die einen um Käse, die anderen um hartes und weiches Weiss- brod zu verkaufen." Die Ribauz spielen; es entstehen Schlägereien; aber alles endet gütlich, ohne dass die Obrigkeit einzuschreiten hat. Die Zeit des Lagerlebens wurde übrigens auch benutzt, die Soldaten auszubilden. Schiessübungen werden ausdrücklich erwähnt 2). Des Abends, ehe das ganze Heer im Lager zur Ruhe ging, hielt man, wie es scheint, noch ein allgemeines Gebet ab. Wenigstens fand während des Kreuzzuges im englischen Lager eine Art Gottes- dienst statt. "Es war Sitte im Heere, dass in jeder Nacht, ehe sie sich zum Schlafen niederlegten, ein dazu bestimmter Mann mit lauter Stimme inmitten des Heeres den gewöhnlichen Spruch rief: "Hilf, heiliges Grab." In diesen Ruf stimmten Alle ein, wiederholten ihn, streckten mit reichlichen Thränen die Hände zum Himmel empor und erflehten Gottes Barmherzigkeit und Hilfe. Dann hub der Herold selbst Wieder an, indem er wie vorher ausrief: "Hilf, heiliges Grab" und Alle wiederholten es; und als er gleichfalls zum dritten Male rief, so thaten es ihm Alle nach mit grosser Herzenszerknirschung und unter Thränen. Wer würde dies in solcher Lage nicht thun? da doch schon diese Thatsache zu berichten Thränen den Hörern entlocken kann. Durch diese Anrufung schien das Heer sich gar sehr gestärkt zu fühlenfß) 1) Itmerarium Reg. Rio. IV, 28. 2) Itin. Reg. Ric. I, 52: Dum se quidam ex nostris ephebi castr-a. ex condicto exercerent, sagittas ad. signa nlittentes. 3) Itin. Reg. Ric. IV, 12. in planibie extra