231 stehende Nadelmalerei als eine Schenkung Papst Benedicfs VIII. an seine frühere bischöfliche Kirche zu betrachten sei. Ja, wir gehen sogar noch Weiter und sprechen, gestützt auf die übereinstimmende Ansicht eines geübten Saehkenners, unsere Ueberzeugung dahin aus, dass diese merkwürdige Stickerei nach den vielen Figuren und der Composition derselben zu urtheilen, als ein Meisterwerk der deutschen und nicht der italienischen Stickkunst zu betrach- ten sei. 1) Bekanntlich bestieg Bonifaz VIII, ebenfalls aus dem Hause der Conti zu Anagni, den päpstlichen Stuhl 1294, den er bis 1303 zierte. Wahrscheinlich schenkte nun Bonifaz als Bischof von Anagni diese kunstreich gestickte Capelle vor seiner Erhe- bung auf den päpstlichen Stuhl seiner bischöflichen Kathedrale, und fiele dann die Anfertigung vor dem Jahre 1294. Dies scheint auch hervorzugehen aus einem Inventar Bonifaz' VIII, das er noch als Bischof von Anagni hatte anfertigen lassen. Hier steht nämlich mit sehr genauer Beschreibung angeführt jenes merk- würdige Messgewand, das uns eben zur Beschreibung vorliegt; es heisst darin, Wie f0lgtif) „Item, una planeta contexta ad aurum, et de serico, de ystoria Saluatoris. Ab annuntiatione beate uirginis et natiuitate XPI usque ad resurrectionem. Et de assumptione beate uirginis. Et foederata sennato rubeo cum au- rifrisio, ex parte ante cum pernis." Dieses prachtvolle Messge- wand, dessen das ebengedachte Inventar ausführlicher Erwähnung thut, zeigt heute noch in seiner Zerstückelung gegen dreissig runde Medaillons, in welchen in Gold und vielfarbiger Seide ge- stickt sind sämmtliche Hauptmomente aus dem Leben des Heilan- des und Zwar sind diese vielen kunstreich gearbeiteten Scenerieen ausgeführt auf grobem Weissem Leinen, auf Welchem ein geübter Maler mit fester Hand die Umrisse seiner vielen Figuren vorher hingezeichnet zu haben scheint. Die Zwischenräume dieser Kreise sind ausgefüllt mit Ornamenten und Engelsgestalten, die nieder- Conservator Ramhoux, der, wie vielleicht kein Anderer vor ihm die alt't l' sehen Malerschulen einem langjährigen Studium Ilnterworfeyühat hält? leni; Gefälligkeit, uns mehrere Durchpausen der in Rede stehenden ßsticke fhe zur Benutzung zuzustellen, die er auf dem Originale zu Anavni selbetfelen pirt hat. Derselbe ist ebenfalls der Ansicht, dass das vorliegnde P? Co. werk kirchlicher Stickkunst als deutsches Kunsterzeugniss aufzuneh lacht: X. Barbier de Montault veröffentlichte im vorigen Jahre in den Helen m. Archeologiques" von Didron, XVII. Jahrgang, mehrere Sehr " "nah-q Nachrichten über liturgische Gewänder, namentlich aber übe nliemssante würdigten Stickereien zu Anagni; nur hätten wir in diesen Elüätäelmerk- ein tie eres Einvehen auf di "mgßl" gewünscht. u e Form, die Stoffe und deren gesuchte Dessins