Verzeichniss. Alphabetisches 233 wurden die grossen mechanischen Schwierigkeiten durch einfache Mittel über- wältigt: aus Sandbänken ward eine schiefe Ebene gebildet, auf welcher die 34-6 grossen Steinbalken bis über die Höhen der Säulen gezogen und in die richtige Lage gebracht wurden; indem man nun einen Theil dieser Säcke seines In-_ halts entleerte, sanken sie allmählich und ohne aufzustossen auf die Kapitale der Säulen herab. Als Merkwürdigkeit fügt Plinius noch hinzu, dass der be- sonders grosse Querbalken über der Thür, der zur Verzweiflung des Architekten nicht in die richtige Lage gekommen war, (mit Hülfe der Göttin) durch sein eigenes Gewicht während der Nacht den Fehler verbessert habe. Es fragt sich nun, was wir einer Seits von der Nachricht des Strabo (XIV, 640) zu halten haben, der zufolge ein Anderer nach Chersiphron den Tempel vergrösserte, anderer Seits von den Maassen des Tempels sowohl wie der Säulen, welche uns Plinius überliefert hat. Urlichs nemlich (Rhein. Mus. N. F. X, S. 10) will mit Strabo's Nachricht eine Angabe des Herodot (I, 92) in Verbindung bringen, nach welcher Krösos den grössten Theil der Säulen zum Tempel geschenkt hatte. Durch diese sei die Vergrösserung bewerkstelligt worden, und zwar in der Weise, dass man den ursprünglich als Peripteros an- gelegten Tempel in einen Dipteros verwandelt habe. Da nun Herodot (III, 60) den Tempel zu Samos den grössten nenne, welchen er gesehen habe, dieser aber 346x189 Fuss messe, während Plinius für den ephesischen 425x225 Fuss angebe, so könnten sich des Plinius Maasse nicht auf den älteren, sondern nur auf den späteren Bau des Deinokrates beziehen, welcher nach dem Brande den Tempel nicht allein hergestellt, sondern nach Strabo auch verschönert und, wie wir hinzusetzen dürften, auch vergrössert habe. Ob sich bei der Lückenhaftig- keit unserer Quellen je in allen Punkten eine sichere Entscheidung wird fällen lassen, scheint mir sehr zweifelhaft. Gegen die von Urlichs aufgestellten An- sichten kann ich aher nicht umhin, einige Bedenken auszusprechen. Diese be- treffen zunächst den Wiederaufbau und die mit ziemlicher Zuversicht angenom- mene Vergrösserumg durch Deinokrates, gegen welche nach meiner Ansicht das Zeugniss des Strabo deutlich genug spricht. Er gebraucht gewiss nicht ohne Absicht den Ausdruck ütkov (weh) (Zpgivm xazggxsziaaav gerade im Gegensatz zu der Nachricht über den früheren Tempel, den cZÄÄog änntvyos neige); und dies 347 wird bestätigt dadurch, dass er weiter angiebt, man habe die alten Säulen be- halten, sowie dass er nur von dem Dache als abgelarannt spricht: nsrzi öä niv älunpngw 117g ögoqprjg wjqmvtoizävryg. Mag dabei auch manche einzelne Säule, so wie namentlich auch das marmorne Gebälk durch Verkalkung gelitten haben, S0 vermögen wir doch nicht einmal von einem eigentlichen Neubau Zu Sprechen, geschweige denn ohne ausdrückliches Zeugniss von einer Vergrösserung. Der Ausdruck ttiisivm aber ist immer hinlänglich gerechtfertigt, wenn wir nur an eine glänzende Wiederherstellung unter Berücksichtigung der Forderungen eines verfeinerten Geschmackes und vorgeschrittenen Luxus denken. Müssen wir dem- nach die von Plinius angegebenen Maasse von dem älteren Tempel gelten lassen, so fragt es sich nur, wann derselbe diese Grösse erhielt. Plinius spricht an dieser Stelle nur von der Anlage durch Chersiphron. Aber auch Vitruv, wel- cher doch vier Architekten kennt und offenbar gute Quellen benutzte, legt kei- 11cm derselben eine Veränderung des ursprünglichen Planes bei: er bezeichnet