Bildhauer. er der Familie des Agasias angehöre, mit einem anderen Künstler gemein- schaftlich arbeitete. Sie gehört der Klasse römischer Portraitfiguren in soge- nanntem heroischen Gostüm an. Dass ihr in der Durchführung ein besonderes Verdienst zuzuerkennnen sei, linde ich nirgends behauptet, noch hat sie in der ganzen Auffassung irgend etwas, wodurch sie sich vor anderen ihres (ileichen auszeichnet. Am wenigsten finden wir irgend eine Analogie mit dem Werke des durch den Fechter bekannten Agasias. Herakleides und sein Genosse scheinen sich also kaum über die Tüchtigkeit der grösseren Masse namenloser römischer Künstler der besseren Kaiserzeit erhoben zu haben. Wir gehen deshalb sofort zur Betrachtung eines YVerkes über, (las in seiner Art nicht weniger eigenthümlich ist, als der Fechter, nemlich des Reliefs der Apotheose Homers von Archelaos aus Priene. Wir vermutheten oben, dass es in den ersten Regierungsjahren des Tiberius entstanden sei. Allein es ist nicht zu leugnen, dass diese Vermuthung ziemlich schwankender Natur ist, und sie "würde aufgegeben werden müssen, sobald etwa Gründe, welche sich aus dem Charakter des Werkes ableiten liessen, mit ihr in YViderspruch traten. Leider ist in den verschiedenen Erörterungen, welche dasselbe in neueren Zeiten hervorgerufen hat 1), die kunstgeschichtliche Frage unberücksichtigt geblieben, oder wenigstens über sie kein neues Licht verbreitet worden. Es galt vielmehr, den poetischen Inhalt der Composition zu untersuchen, und die Beziehungen festzustellen, unter welchen der Künstler die einzelnen Figuren und Figuren- reihen zu einander geordnet hat. Freilich ist auch darin noch kein fester Ab- schluss erreicht worden, was sich leicht aus der Unsicherheit erklärt, welche über den Namen des zweiten, ausser Homer in diesem Relief gefeierten Dichters herrscht. Hier können natürlich diese Erörterungen nicht im Einzelnen verfolgt 585 oder weitergeführt werden, vielmehr kommt es zunächst nur darauf an, zu erforschen, in welchem Geiste der Künstler seine Aufgabe überhaupt aufgefasst und behandelt hat. Unsere Aufmerksamkeit wird sich dabei vornehmlich auf die untere Abtheilung der Composition richten 'müssen: denn in der oberen, der Zusammenstellung der Musen unter dem Schutze ihres Erzeugers Zeus und und der Führung ihres Gebieters Apollo, behandelte er ein Thema, bei welchem wenigstens möglicher Weise ältere Vorbilder ihren Einfluss ausgeübt haben könnten. Die Scene der Apotheose erinnert zwar ebenfalls lebhaft an die Weise griechischer Votivreliefs; aber schon bei einer ganz äusserlichen Betrachtung muss es uns eine sehr auffallende Erscheinung sein, dass es der Künstler für nöthig erachtet hat, den einzelnen Figuren ihre Namen beizuschreiben. In der Kindheit der Kunst erklärt sich ein solcher Gebrauch leicht aus einem naiven Streben nach Verdeutlichung. Je fester aber die Kunst ihre eigne Sprache aus- bildet, um so überflüssiger werden ähnliche Auskunftsmittel; und in der guten Zeit der griechischen Kunst werden sich in der Sculptur wenigstens nur selten Beispiele derselben nachweisen lassen. Ihr Wiederauftreten in einer Epoche der schon schwindenden Blüthe hat daher sicherlich seinen bestimmten Grund; und UD 561'817] Falle derselbe kein anderer, dass die Composition 1) E. Braun Bull. de1l' vanolnlastischcr Nachbildung. p. 119 sqq. Inst. 1844, supplem. Ders. die Apotheose des Homer in gab Leipzig 1848. L. Schmidt in den Ann. dell" Inst. 184.9,