Abschnitt. der Goldschmiedektxnst. Werke Die Knöpfe und dergleichen folgen dieser Neigung. Alle gröfseren Stücke bekommen einen erzählenden Inhalt: Im Rahmen der ornamentalen Komposition bewegen sich kleine F igurengruppen, die nur selten noch einen religiösen Vorgang, darunter am meisten wohl die "Verkündigung" darstellen: der neue Gedankenkreis, den die Litteratur der Renaissance aufgeschlossen hat, die griechische und römische Mythologie, liefert auch hier die Stoffe der Darstellung. Von den einzelnen Gattungen des Geschmeides liegt uns als Weiterbildung des Fürspans der Anhänger am nächsten, ebensowohl wegen der grofsen Zahl von Beispielen wie wegen der Mannigfaltigkeit seiner Erscheinungsformen. Ehe wir jedoch auf die im deutschen und französischen Schmucke vorkommenden Formen eingehen, sei es erlaubt, auf Fundstätten für solche der italienischen Frührenaissance hinzuweisen, die weniger beachtet worden sind, als sie es verdienen: Es sind die Randzeichnungen in den Kirchenbüchern des 15. Jahr- hunderts in den Kathedralen von Siena, Florenz, in der Brera zu Mailand, in der Barberinischen Bibliothek zu Rom und anderwärts. Sicher war es der unmittelbare Eindruck des Geschmeideluxus der Geistlichkeit im späteren Mittelalter, der die Miniaturisten dieser Zeit veranlasste, die Darstellung dieser mit Perlen bestickten, mit Bijouterien besetzten Borten der Kirchengewänder unmittelbar als Randleisten der mit entsprechendem Luxus geschmückten Kirchen- bücher zu verwenden. Auch mag an die oben erwähnte Verbindung der Goldschmiedekunst mit den übrigen Künsten erinnert werden, die in dem Italien des I5. Jahrhunderts soweit ging, dass die meisten Maler, Bildhauer, Architekten und nicht minder auch die berühmten Miniaturisten jener Zeit ihre erste künstlerische Lehre bei den Gold- schmieden und Iuwelieren bestanden. Anders ist auch kaum die überaus verständnisvolle Wiedergabe der Juwelen in den genannten Kirchen- büchern zu erklären, die den berühmten Liberale di Giacomo da Verona, den Florentiner Giovanni di Giuliano Boccardi, den Domini- kanermönch Fra Eustachio, Attavante, den lllliniaturisten des Königs Matthias Corvinus von Ungarn, Litti di Filippo Corbizi, Monte di Giovanni, Antonio di Girolamo u. a. zu Erfindern hatten. Als einen der geschicktesten Meister nach dieser Richtung, dessen Erfindungen ein in Originalen gänzlich verschwundenes Genre reizvollsten Früh- renaissance-Schmuckes bezeichnen, lernen wir aus einem im Museum zu Gotha befindlichen, 1478 zu Venedig gedruckten Dekretalenbuche einen Meister Benedictus Patavinus kennen. (Fig. 35.) Die Anhänger des I6. Jahrhunderts verleugnen zu anfang ihre Abstammung von dem kreisrund oder wenigstens zentral kompo- nierten Fürspan nicht, indem sie ebenfalls diese Form beibehalten, die manchmal mit Perl-Pendeloques behängt ist. Doch bildet die- selbe immerhin eine Ausnahme und mag uns in manchen Fällen ver- anlassen, das rosettenartige Schmuckstück nicht als Anhänger, sondern