Abschnitt. Technik. Die der Blecharbeit, z. B. bei Dachbedeckungen, sehr gebräuchliche Verbin- dungsart, hat in der Gefäfsbildnerei aus Edelmetall eine beschränkte An- wendung; wir finden sie z. B. bei dem den ersten Jahrhunderten des Christentums angehörigen Fund von Nagy Szent-Miklos in Ungarn, wo die Blechcylinder, welche die Stiele der kleineren Kelche bilden, unter sich und mit dem Fufs in der einfachen Weise verbunden sind, dass die Ränder umeinander gefalzt und scharf zusammengeklopft wurden. Das Löten ist eigentlich nur ein Zusammenkleben zweier Metall- teile vermittelst eines anderen lVfetalles, welches bei niedrigerer Tempe- ratur in Fluss gerät, als die beiden zu verbindenden. Man wendet hierzu Legerungen an: für Silber solche aus Silber, Kupfer und Zink; für Gold aus Gold, Silber und Kupfer. Das in Feilspahnfornr auf die Lötfuge gebrachte „Lot" wird durch eine Stichflamme, sei es vor dem Lötrohr, sei es mit Hilfe eines Gebläses geschmolzen und haftet an beiden Löträndern, diese auf solche Weise verbindend. Weil aber jedes Lot nur an blankem Metall haftet, müssen nicht allein die Lotränder sorgfältig blank geschabt werden, sondern man giebt auch, um das Oxydieren derselben im Feuer zu verhindern, ein Mittel dazu, welches, gleichzeitig mit dem Metall flüssig werdend, die Ränder vor Luftzutritt schützt. Dieses "Lötmittel" ist für Goldschmiedearbeiten meist gepulverter Borax. Eine wichtige Frage für die Wirkung, welche Werke aus Edel- metall auf unser Auge hervorbringen, ist die Behandlung ihrer Oberfläche: manche feine Wirkung eines künstlerisch in Silber aus- geführten Reliefs würde verloren gehen, wollte man seiner Oberfläche den starken Glanz der Politur geben, die durch eine Übertreibung der Lichter und Auflösung der Schatten die Beurteilung der Form erschwert. Im andern Falle versteht man es beispielsweise, eine ein- förmig mattierte Oberfläche zu beleben, indem man mit dem Grab- stichel wenige Linien hineingraviert, deren Schnittüächen jedoch scharf glänzend hervortreten. Die Goldschmiedekunst verfügt über zahlreiche Mittel der Oberilächebehandlung, um ihren Werken den Reiz der Ab- wechselung zu verleihen. Bei der getriebenen Arbeit gehört die mehr oder minder rauhe Behandlung der Oberfläche bis zur schliefslichen Politur einzelner Teile als integrierender Teil zur Ziselierkunst. Die- selbe weifs durch besondere Strichlagen, die der Form der Körper- teile folgen, das Fleisch der Figuren („hautmatt" oder „chairiert") vom Gewand, dieses vom Erdreich u. s. w. zu unterscheiden. Eine besondere Behandlung getriebener Arbeit, die den Ostasiaten abgesehen und neuerdings aufserordentlich in Aufnahme gekommen ist, besteht darin, dass der Grund eines Gefäfses die Hammerschläge zeigt, mit welchen er seine Form erhalten hat. Auch diese gehämmerte Arbeit (martele) wird durch Prinzen hergestellt, die eine breite, schwach gewölbte und polierte Bahn haben. Durch andere Punzen, deren Bahn einen Hohl- kugel-Abschnitt darstellt, wird der Grund mit kreisrunden Körneni belebt.